27.09.2020

Deutschland: Kirchenvorsteher droht Abschiebung nach Afghanistan

Hofer Christen appellieren an bayerischen Ministerpräsidenten Söder

Hof (idea) – In Bayern soll ein Kirchenvorsteher der evangelischen Sankt-Michaelis-Gemeinde in Hof nach Afghanistan abgeschoben werden. Der Asylantrag des zum Christentum übergetretenen ehemaligen Muslims Naser R. wurde im Juli endgültig abgelehnt. Die von der Zentralen Ausländerbehörde in Bayreuth angekündigte Abschiebung sei „unerträglich und nicht nachvollziehbar“, sagte der Hofer Dekan Günter Saalfrank der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Um ein Bleiberecht zu erreichen, appellieren Christen an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). In einem Offenen Brief vom 21. September an den bekennenden Protestanten schreiben Mitglieder des Hofer Kirchenvorstandes, es müsse möglich sein, Naser R. eine Perspektive in Deutschland zu geben. Gerade Menschen, die sich für den christlichen Glauben entschieden haben, dürften nicht in ein Land abgeschoben werden, in dem es keine Religionsfreiheit gebe. In Afghanistan müsse der 28-Jährige „um Leib und Leben“ fürchten. Wegen seines Übertritts zum Christentum drohe ihm in dem streng muslimischen Land die Todesstrafe. Auch die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) ruft zur Solidarität mit ihm auf. Sie ist wie Naser R. Kirchenvorsteherin von St. Michaelis. „Ich wünsche mir, dass er den Platz, den er in unserer Mitte gefunden hat, behalten darf. Zeigen wir uns solidarisch“, schreibt sie in einer öffentlichen Erklärung. Der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (München) ist Medienberichten zufolge „betrübt“ über die geplante Abschiebung. Sie müsse gestoppt werden. Er hoffe, dass in Gesprächen mit Verantwortlichen eine Lösung gefunden werde.

Abschiebung in ein Land, das Naser nicht kennt

Naser R. ist im Iran geboren. Sein Vater war Afghane. 2015 flüchtete R. nach Deutschland. Ein Jahr später wurde er in der Hofer Gemeinde getauft. Seit Dezember 2018 gehört er dem erweiterten Kirchenvorstand an. Dekan Saalfrank machte gegenüber idea deutlich, dass der christliche Glaube für Naser R. „identitätsstiftend“ sei. Er lebe ihn im Alltag, engagiere sich in der Gemeinde und beim CVJM Hof und erzähle anderen von seinem Glauben. „Naser ist keiner, der aus asyltaktischen Gründen nur vorgibt, Christ zu sein“, so Saalfrank. Doch weder sein Bekenntnis zum dreieinigen Gott, sein christliches Engagement noch die Tatsache, dass wegen seines Glaubensübertritts in Afghanistan sein Leben in tödlicher Gefahr wäre, hätten das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration und das Verwaltungsgericht Bayreuth als Asylgrund anerkannt. Dem Dekan zufolge haben das juristische Verfahren um sein Asylgesuch sowie die vergeblichen Versuche, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, seelische Spuren bei Naser R. hinterlassen. Deshalb sei er wegen psychischer Probleme bereits stationär therapeutisch behandelt worden. „Die Solidarität anderer Christen jedoch macht ihm Mut und tut ihm gut“, so Saalfrank gegenüber idea.