28.06.2020

Türkei: Einreiseverbot für Pfarrer aufheben!

Kirchenführer in der Türkei fordern die Regierung auf, das „Einreiseverbot“ für Pfarrer aus Übersee aufzuheben

Die Istanbuler Stiftung der Evangelischen Kirche (IPKV) richtete am 16. Juni einen öffentlichen Appell an die türkische Regierung mit der Bitte, die strengen neuen Aufenthaltsbeschränkungen für ausländische Pfarrer aufzuheben.

Der IPKV sagte in einer Presseerklärung, dass es seit 2019 für ausländische Geistliche, die in der Türkei dienen, „immer schwieriger“ geworden sei, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, eine Situation, die er mit „großer Traurigkeit“ erfüllt.

Viele Kirchen in der Türkei, darunter auch der IPKV, haben wegen des Mangels an qualifizierten Geistlichen lange Zeit kirchliche Führungspositionen mit Geistlichen aus Übersee besetzt. Die Regierung hat die Ausbildung religiöser Führungspersönlichkeiten stark eingeschränkt, weshalb es kaum möglich ist, im Land selbst geeignete Qualifikationen zu erwerben. Nach Aussagen der IPKV verhängen die Behörden nun ein effektives „Einreiseverbot“ für ausländische kirchliche Mitarbeiter, indem sie von ihnen verlangen, vor der Einreise in die Türkei eine Genehmigung einzuholen.

Einigen ausländischen Christen, die bereits in der Türkei leben, wurde die Aufenthaltsgenehmigung nicht erneuert, und einigen wurde sie entzogen. Der IPKV sagte, dass der Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung der nicht-türkischen Ehefrau eines der türkischen Pfarrer abgelehnt wurde, was sie von ihrem Ehemann und ihren drei Kindern zu trennen droht.

Sogar dem in Spanien geborenen Leiter des IPKV, der seit 2001 mit offizieller Regierungsgenehmigung in der Stiftung tätig ist, wurde mitgeteilt, er müsse die früher gewährte Einreisegenehmigung erneut beantragen.

Der IPKV, der 1999 als erste protestantische Stiftung in der Geschichte der türkischen Republik gegründet wurde, unternimmt rechtliche Schritte, um das Urteil zu widerrufen, von dem er hofft, dass es „nur ein Fehler“ sei.

Die IPKV-Erklärung schloss mit den Worten: „Wir bringen mit Demut unseren Wunsch zum Ausdruck, dass die Gedanken-, Religions- und Gewissensfreiheit gewahrt wird, die in der Verfassung der Republik Türkei und in internationalen Abkommen verankert ist. In dieser Hoffnung legen wir diese Informationen über die schwierige Situation, in der wir uns als Protestanten befinden, respektvoll der öffentlichen Meinung und dem fairen Urteil des Staates vor".

Die Unterdrückung religiöser Minderheiten nimmt in der mehrheitlich muslimischen Türkei zu, insbesondere unter dem islamistischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Obwohl die türkische Regierung in der modernen Türkei bisher säkular war, hat Erdogan seinen Wunsch nach der Wiedererrichtung des Osmanischen Reiches deutlich gemacht. Nach drei Anschlägen auf Kirchen in der Türkei im Mai versprach der Präsident, „alles Mögliche“ zu tun, um die Achtung religiöser Minderheiten zu gewährleisten und „Frieden und Harmonie zwischen Türken und Angehörigen von Minderheitsreligionen“ zu schützen.

Christen machen etwa 0,2% der Bevölkerung in der Türkei aus, die zu 99% muslimisch ist. Die Mehrheit sind orthodoxe Christen aus historisch nichttürkischen ethnischen Gruppen, darunter aber auch einige türkische Konvertiten aus dem Islam. Protestantische Christen sind hauptsächlich Konvertiten aus dem Islam. Es gibt auch eine kleine katholische Gemeinde. Unter den 3-4 Millionen Irakern, Iranern und Syrern, die seit den 1980er Jahren vor verschiedenen Konflikten in die Türkei geflohen sind, gibt es auch christliche Flüchtlinge.

Quelle: Barnabasfund Übersetzung für AKREF