28.08.2020

Libyen: Ruf nach mehr Schutz für Christen

Appell an UN-Menschenrechtsausschuss / Ägyptischer Christ ermordet

(Open Doors, Kelkheim) – Die Christen in Libyen, wo seit 9 Jahren Bürgerkrieg herrscht, stehen laut einem aktuellen Bericht unter extremem Druck. Im Oktober wird sich der UN-Menschenrechtsausschuss turnusmäßig mit der Menschrechtslage in dem nordafrikanischen Land befassen. Aus diesem Anlass hat Open Doors in Zusammenarbeit mit Middle East Concern und der Weltweiten Evangelischen Allianz das Komitee gebeten, auch die Religionsfreiheit in Libyen zu bewerten. Dies war bei der letzten Überprüfung ausgeblieben.

Wegen seines Glaubens mutmaßlich entführt und getötet
Unter den ca. 36.000 Christen in Libyen sind nach Schätzungen von Open Doors nur sehr wenige einheimische Libyer. Die meisten sind entweder Flüchtlinge oder Gastarbeiter, viele davon aus dem benachbarten Ägypten. Einer von ihnen war der 27-jährige Roma Adly Ayoub aus dem ägyptischen Dorf El Wadi. Er hatte nach seiner Immigration im Jahr 2014 in Libyen ein Bekleidungsgeschäft eröffnet, um seine Angehörigen zu Hause zu unterstützen. Im Januar verlor seine Familie plötzlich den Kontakt zu Roma. Laut einer lokalen Quelle, die mit der Familie in Kontakt stand, alarmierte diese die Behörden und erhielt daraufhin die Nachricht, dass Roma angeblich von der islamistischen militanten Gruppe Ansar al-Sharia entführt und getötet worden sei, die versuchte, ihn zur Aufgabe seines christlichen Glaubens zu zwingen.
Auch Libyer, die vom Islam zum Christentum konvertieren, setzen sich hohen Gefahren aus. „Unsere Quellen bestätigen, dass [sie] oft wegen Blasphemie-Beschuldigungen verhaftet und inhaftiert werden, weil sie christliche Materialien online weitergegeben haben“, heißt es in dem Bericht, den Open Doors, Middle East Concern und die Weltweite Evangelische Allianz gemeinsam dem UN-Menschenrechtsausschuss vorgelegt haben. „Sie sehen sich dem Druck von Polizei und Familienangehörigen ausgesetzt, durch physischen und psychischen Zwang zum Islam zurückzukehren. Es wird davon ausgegangen, dass alle Libyer Muslime sind. Jeder, der den Islam verlässt, erfährt erheblichen Druck und ist anfällig für Gewalt und Angriffe aus der Familie und der Gemeinschaft sowie vom Staat.“
Ausmaß der Gewalt gegen Christen „extrem hoch“ 
Der jahrelange Bürgerkrieg in Libyen hat dazu geführt, dass insbesondere Minderheitengruppen wie die Christen in das Fadenkreuz des Konflikts geraten sind. In dem aktuellen Länderbericht von Open Doors heißt es dazu: „Das Fehlen einer Zentralregierung, die Recht und Ordnung im Land durchsetzt, hat die Lage für Christen prekär gemacht. Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen ist als extrem hoch einzuordnen.“
Auf dem Weltverfolgungsindex 2020  von Open Doors steht Libyen an 4. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Quelle: Open Doors