29.07.2020

China: Sie müssen im Verborgenen arbeiten

Chinesische Christen nutzen „Neue Seidenstraße“ zur Auslandsmission

Zürich/Hongkong (idea) – Chinesische Christen nutzen das Projekt „Neue Seidenstraße” (Belt-and-Road-Initiative) des kommunistischen Staates, um im Ausland zu missionieren. Das berichtet der in Hongkong lebende schweizerische Theologieprofessor und Gefängnisseelsorger Tobias Brandner im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Durch das wirtschafts- und geopolitisches Megaprojekt will China ein neues Handelsnetzwerk zwischen Asien, Afrika und Europa schaffen. Die Seidenstraßen-Initiative soll dem Staat neue Exportmärkte erschließen. Nun würden, so Brandner, mit chinesischem Geld im Ausland Straßen, Zuglinien und Häfen gebaut. Oft seien die chinesischen Firmen mit ihrem eigenen Personal tätig: „Für Missionare sind diese entwurzelten Arbeiter aus China interessant. Migranten sind für einen religiösen Austausch relativ offen.“ Doch auch im Ausland müssten die Missionare im Verborgenen arbeiten: „Der lange Arm des chinesischen Geheimdiensts reicht immer weiter.“

Für chinesische Christen ist die letzte Autorität der liebe Gott – und nicht Xi Jinping

Grundsätzlich sei die Gemeinschaft der Auslandchinesen eine gute Basis, um Fuß zu fassen. Viele Missionare begännen damit, eine kleine Kirche zu eröffnen. Die Mitglieder unterstützten den Pfarrer mit dem Zehnten, so dass er neben seiner kirchlichen Arbeit missionarisch aktiv sein könne. Mit der Lokalbevölkerung träten die chinesischen Missionare erst in einem zweiten Schritt in Kontakt. Oft sei die Sprache eine Hürde. Brandner zufolge kann der Glaube in China „auf individueller Ebene“ relativ gut gelebt werden: „Repression erfahren erst Personen, die stark sichtbar sind.“ Der Staat beanspruche die letzte Autorität für sich. Die Christen stünden damit im Zwiespalt: „Für sie ist die letzte Autorität der liebe Gott und nicht der Staats- und Parteichef Xi Jinping.“ Der reformierte Theologe Brandner lebt seit 1996 mit seiner Familie in Hongkong. Im Auftrag von „Mission 21 – evangelisches Missionswerk Basel“ ist er an der Chinesischen Universität Hongkong (CUHK) sowie als Gefängnisseelsorger tätig.