29.09.2020

Aserbaidschan: Zum Konflikt in Bergkarabach

GfbV fordert Intervention der Bundesregierung

(GfbV) Nach dem jüngsten Angriff Aserbaidschans auf die umkämpfte Region Bergkarabach fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Bundesregierung zum Handeln auf: „Die neuerliche Eskalation geht von der Türkei aus, die tausende syrisch-islamistische Söldner in das armenisch kontrollierte Gebiet entsandt hat“, erklärt Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der GfbV. „Die Bundesregierung darf nicht mit ansehen, wie Erdogan eine weitere Konfliktregion mit Gewalt überzieht, um zu Hause seine Machtbasis zu stärken.“ In Bergkarabach wiederhole sich, was der türkische Präsident in Libyen bereits eingeübt habe. 

„Es kann nicht sein, dass Deutschland und Europa Erdogan jede Aggression durchgehen lassen, solange er die Flüchtlinge zurückhält. Er weiß genau, in welcher Machtposition er sich dadurch befindet und wird sie solange weiter ausnutzen, wie man ihn lässt“, so Sido. „Die zahlreichen Kriege, in die die Türkei mittlerweile verwickelt ist, sollen mehr Menschen zur Flucht nach Europa zu zwingen, damit Erdogan seine erpresserische Position aufrechterhalten kann.“ Solange man ihn gewähren lasse, sei er eine der größten Bedrohungen für die Stabilität in der Region. 

Junge Syrer, die aus ihrer Heimat in die Türkei geflüchtet sind, haben wenig Möglichkeiten, ihre Familien zu ernähren. Daher entschließen sich viele, gegen Geld für türkische Interessen in Libyen oder Bergkarabach zu kämpfen. „Viele sind zusätzlich ideologisch motiviert, weil sie ein armenisch und damit christlich besetztes Territorium angreifen. Dadurch entsteht die absurde Situation, dass sunnitische Islamisten für das schiitische Aserbaidschan kämpfen“, ergänzt Sido. „Das Geld, mit dem die verzweifelten Syrer in Erdogans Kriege geschickt werden, kommt aus Katar. Auch diese Finanzquelle muss durch diplomatischen Druck zum Versiegen gebracht werden.“ 

Kontakt: Dr. Kamal Sido, Referat ethnische, religiöse, sprachliche Minderheiten und Nationalitäten

E-Mail: presse@gfbv.de,