31.07.2020

Pakistan: Angehöriger einer religiösen Minderheit im Gerichtssaal erschossen

 

AKREF, London/Tübingen, d. 30.7.2020

Ein pakistanischer Mann, der wegen Blasphemie angeklagt war, wurde wie „The Telegraph“ berichtet, am Mittwoch, den 29.7.2020 in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar vor Gericht erschossen, als er auf den Beginn seiner Anhörung wartete.

Tahir Ahmad Nasim, 47, gehörte den Qaidiyyani (Ahmadiyya), einer verfolgten Abspaltung vom Islam an, deren Glaube in Pakistan als ketzerisch gilt, weil sie Mohammed als allerletzten Propheten in Frage stellen. Ihr Gründer, Mirza Ghulam Ahmad, gilt für sie auch als Prophet. Es wird gemutmaßt, dass der Mörder die Tatwaffe einem Polizisten im Saal abgenommen hat. In Pakistan werden Anhänger der Ahmadiyya nicht als Muslime anerkannt.

Herr Nasim wurde erstmals im April 2018 verhaftet, nachdem ein Einheimischer ihn der Blasphemie beschuldigt hatte, einer höchst aufrührerischen Anklage im zutiefst konservativen Pakistan, die zu mafiösen Lynchmorden, Selbstjustiz-Morden und Massenprotesten geführt. Die Todesstrafe ist vom Gesetz vorgesehene Strafe für Blasphemie in Pakistan, ist aber bislang nicht ausgeführt worden. Dafür sind etliche Angeklagte und Verurteilte ermordet worden.