21.04.2021

Deutschland: Eine Kapitulation vor dem Islam

Das Bundesland Hessen lässt seine Lehrer im Stich, schreibt Josef Kraus in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA.

Wie jetzt bekannt wurde, hat das hessische Kulturministerium Ende 2020 seine Lehrer davor gewarnt, Mohammed-Karikaturen im Unterricht zu behandeln. Wörtlich heißt es in einem Schreiben an die 1.800 hessischen Schulen: „Das Zeigen der Mohammed-Karikaturen oder jede bildliche Darstellung des Propheten Mohammeds kann als islamkritisches Verhalten interpretiert werden, das emotionalisierend und unter Umständen auch mobilisierend, wie radikalisierend auf den Empfängerkreis, auch Schülerinnen und Schüler, wirken kann.“ Das Ministerium beruft sich auf Aussagen des Landeskriminalamtes (LKA), nach denen es aufgrund der Erfahrungen mit Gedenkminuten für den im Oktober 2020 ermordeten französischen Lehrer Samuel Paty zu „polizeilich relevanten Übergriffen bis hin zu schweren Gewalttaten kommen“ kann. Paty war von einem jungen Islamisten in Paris auf offener Straße enthauptet worden, weil er im Unterricht Mohammed-Karikaturen behandelt hatte. 

Die Lehrerschaft wird eingeschüchtert 

Was hier wie Fürsorgepflicht oder Kultursensibilität daherkommt, ist eine politische Kapitulation erster Güte. Der Dienstherr der Lehrer, ja die Organe der inneren Sicherheit Deutschlands, sehen sich offenbar nicht in der Lage, Lehrer vor Islamisten zu schützen. Obendrein schüchtert man die Lehrerschaft ein, statt sie zu ermuntern, ihrem Auftrag einer Erziehung zu kritischem Urteilsvermögen nachzukommen. Es ist dies eine weitere von 1001 Unterwerfungen. Vorausgegangen waren dieser Kapitulation andere Empfehlungen oder Vorgaben: Im Ramadan sollten keine Prüfungen geschrieben werden; muslimische Mädchen sollen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen; in Schulmensen soll es kein Schweinfleisch, vor Weihnachten in Schulkonzerten keine christlichen Lieder geben. Ist es demnächst auch nicht mehr erlaubt, das Menschenbild des Islams mit seinem Antisemitismus, seinem Frauenbild und seiner Homophobie oder die Weltgeschichte der Sklaverei mit dem überdimensionalen muslimischen Anteil oder den Völkermord der Osmanen an den Armeniern zu behandeln? 

Was Islamexperten empfehlen 

Hessen tut das Gegenteil von dem, was Islamexperten wie die Professoren Ruud Koopmans und Susanne Schröter empfehlen. Beide kritisieren laut der Tageszeitung „Die Welt“ denn auch die ministeriellen Empfehlungen Hessens heftig als „inakzeptable Kapitulation“ vor dem politischen Islam. Da tut es schier gut, wenn der „grüne“ Cem Özdemir und der „linke“ Dietmar Bartsch die Behandlung von Mohammed-Karikaturen zum Pflichtthema machen möchten. 

Wer es vergessen haben sollte: Hessen hat mit Volker Bouffier einen CDU-Ministerpräsidenten und mit Alexander Lorz einen CDU-Kultusminister. Die beiden Herren hätten sich Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron zum Vorbild nehmen sollen. Macron hatte bei der Trauerfeier für den ermordeten Paty ausgerufen: „Wir werden nicht auf Karikaturen, Zeichnungen verzichten.“ 

(Der Autor, Josef Kraus, war von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.) (idea/21.04.2021)