05.05.2021

Mehr Hasskriminalität gegen Juden, Christen und Muslime

Straftaten gegen religiöse Repräsentanten haben massiv zugenommen

Berlin (IDEA) – Die Hasskriminalität gegen Juden, Christen und Muslime hat 2020 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Das geht aus der am 4. Mai veröffentlichten Statistik des Bundeskriminalamtes hervor. Nach dessen Angaben handelt es sich bei Hasskriminalität um Straftaten, die motiviert durch gruppenbezogene Vorurteile begangen werden. 2020 hat die Behörde 10.240 Fälle verzeichnet. Das sind 19,3 Prozent mehr als im Vorjahr (8.585). Der Statistik zufolge waren 2.351 Fälle antisemitisch motiviert (15,7 Prozent mehr als 2019). Davon wurden 94,6 Prozent Tätern aus dem rechten Spektrum zugeordnet. Islamfeindliche Hasskriminalität gab es in 1.026 Fällen (+8 Prozent). Die christenfeindlichen Straftaten stiegen um 10,2 Prozent auf 141. Stark zugenommen haben bei der Hasskriminalität unter anderem die „ausländerfeindlichen“ Delikte auf 5.298 (+72,4 Prozent). Deutlich sind im vergangenen Jahr auch die Straftaten gegen Religionsgemeinschaften gestiegen. Die Zahl der Delikte lag bei 2.985, was einer Zunahme von 39 Prozent entspricht. Schwerpunkte waren Volksverhetzungen (1.611), Beleidigungen (348), Propagandadelikte (345) und Sachbeschädigungen (323). Massiv vermehrt haben sich Straftaten gegen „religiöse Repräsentanten“. Hier wurden 2.217 Fälle gezählt. Das ist ein Zuwachs um 296,6 Prozent. Bei 81 der 87 Gewaltdelikte handelte es sich um Körperverletzungen. Schwerpunktmäßig wurden Volksverhetzungen (1.375) registriert. 70 Prozent der Delikte gegen religiöse Repräsentanten waren demnach antisemitisch motiviert und etwa ein Viertel islamfeindlich. Über 90 Prozent der Straftaten wurden dem rechten Spektrum zugeordnet. Die Straftaten gegen Religionsstätten haben abgenommen: Ziele waren in 103 Fällen Moscheen (–3,7 Prozent), in 100 Fällen Kirchen (–16,7 Prozent) und in 24 Fällen Synagogen (–29,4 Prozent).

Politisch motivierte Kriminalität gestiegen

Laut Bundeskriminalamt gab es im vergangenen Jahr insgesamt 44.692 Straftaten im Bereich „Politisch motivierter Kriminalität“ (PMK). Das entspricht einer Zunahme um 8,6 Prozent. Dem Phänomenbereich „rechts“ wurden 23.064 Delikte zugeordnet (plus 5,7 Prozent, dem Bereich „links“ 10.971 (plus 11,4 Prozent) und dem Bereich „religiöse Ideologie“ 477 (plus 12,2 Prozent). Die Zahl der Straftaten aufgrund einer „ausländischen Ideologie“ sank um 11,4 Prozent auf 1.016. Die politisch motivierten Gewalttaten stiegen 2020 um fast 19 Prozent auf 3.365. 1.526 sind der Statistik zufolge dem linken Spektrum zuzuordnen (+45,1 Prozent) und 1.092 dem rechten (+10,8 Prozent). 591 politische motivierte Gewalttaten konnte die Polizei keinem Bereich zuordnen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Zahlen „sehr beunruhigend“. Er bleibe bei seiner Feststellung, „dass der Rechtsextremismus die größte Bedrohung für unser Land ist“