04.11.2026

Kasachstan: Unabhängiger orthodoxer Priester und Kriegsgegner zu 4 Jahren Haft verurteilt

AKREF-A/05.11.26 - Am Abend des 7. Oktober 2026 verurteilte Richter Zhasulan Khusainov vom Bezirksgericht Nr. 2 für den Bezirk Medau von Almaty nach nichtöffentlicher Verhandlung den 40 Jahre alten unabhängigen orthodoxen Priester Yakov Vorontsov aufgrund von Anklagen im Zusammenhang mit Drogen zu 6 Jahren Haft. Aufgrund einer Amnestie wurde die Strafe auf 4 Jahre reduziert. Vorontsov bestreitet, jemals Drogen besessen oder konsumiert zu haben.

„Das heute ergangene Urteil ist nach unserer Meinung rechtswidrig,“ erklärte Vorontsovs Anwalt Galym Nurpeisov nach der Verhandlung gegenüber dem Internationalen Büro für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit von Kasachstan. „Es wurden keine Beweise vorgelegt. Das haben wir nachgewiesen. Wir sind mit dem Urteil nicht einverstanden.“ Der Anwalt betrachtet den Schuldspruch und die verhängte Haftstrafe als „politisch motivierte Verfolgung“.

Beamte behaupteten, man hätte während einer Razzia durch die Polizeieinheit OMON in der Wohnung von Yakov Vorontsov am 13. Februar, bei der auch Hunde eingesetzt wurden, 2,44 Gramm einer Droge gefunden. Doch das Strafverfahren wurde bereits vor dem Tag, an dem die Razzia stattfand, eingeleitet. Seither sitzt Vorontsov in Untersuchungshaft. Von Mai bis Juli wurde er einer zwangsweisen psychiatrischen Beurteilung unterzogen, die jedoch ergab, dass er psychisch gesund ist.

„In das Haus, in dem ich wohnte, haben sie verbotene Substanzen eingeschmuggelt“, schrieb Vorontsov am 14. Oktober aus dem Gefängnis. „Mir wurde vorgeworfen, synthetische Drogen zu lagern, die ich niemals konsumiert und niemals berührt habe.“

Vorontsov hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Bis zur Berufungsverhandlung bleibt er im Untersuchungsgefängnis von Almaty. Seine Schwester Svetlana Mitko konnte ihn am 21. Oktober im Untersuchungsgefängnis besuchen. Sie berichtete, dass es ihrem Bruder gut ginge und er ihren Besuch als großen Trost erlebt hätte. Sie berichtete: „Er kämpft weiterhin für Gerechtigkeit. Man hat sogar versucht, ihn unter Druck zu setzen, ein Geständnis zu unterschreiben, sie haben es praktisch verlangt, aber er hat sich geweigert. Sie haben sich den Falschen dafür ausgesucht.“ 

Yakov Vorontsov, der eine junge unabhängige orthodoxe Pfarre leitet, seitdem ihn das Moskauer Patriarchat seines Priesteramts enthoben hat, verteidigt sein Handeln schon seit mehreren Jahren. „Ich spreche mich schon lange offen und öffentlich gegen militärische Aggression aus und unterstütze die Ukraine, die in ihrem Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit mit dem Bösen konfrontiert ist. Ich stehe nach wie vor zu dieser Überzeugung. Ich habe mich schon lange mutig und öffentlich gegen die Politisierung und Militarisierung der Russisch-Orthodoxen Kirche ausgesprochen.“

„Und jetzt bin ich hier im Gefängnis“, fügte Vorontsov hinzu. „Natürlich wurde das alles getan, um die Registrierung unserer Gemeinschaft zu verhindern.“ Die Behörden haben schon mehrmals Registrierungsanträge der unabhängigen Pfarre abgelehnt, die sich langfristig dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellen möchte. 

Quelle: Forum 18, Oslo (Bericht vom 23. Oktober 2026)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der EAÖ