07.11.2026
Südsudan: Das Land auf dem Weg zu den ersten Wahlen seit der Staatsgründung -
zwischen politischem Wandel, Konflikten und humanitärer Krise
| Juba (Fides) – Der Südsudan befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt seiner politischen Geschichte. Fünfzehn Jahre nach der 2011 errungenen Unabhängigkeit bereitet sich das Land auf seine ersten nationalen Wahlen vor, die für den 22. Dezember 2026 angesetzt sind. Ein entscheidender Meilenstein, um dem demokratischen Wandel neuen Schwung zu verleihen, der jedoch vor dem Hintergrund politischer Spannungen, Gewalt, wirtschaftlicher Schwierigkeiten und einer der schwerwiegendsten humanitären Krisen weltweit stattfinden wird. Ob die Wahl ordnungsgemäß stattfinden und als glaubwürdig anerkannt werden kann, bleibt ungewiss. Mehrere internationale Beobachter haben ihre Besorgnis über das Risiko neuer Gewalttaten, Verschiebungen oder Anfechtungen der Ergebnisse zum Ausdruck gebracht, da es keine Fortschritte in den Bereichen Sicherheit, Wahlorganisation, Inklusivität und Umsetzung der Friedensabkommen gibt. Im September 2026 löste Präsident Salva Kiir die Übergangsregierung auf und ernannte eine Interimsregierung. Die Wählerregistrierung soll in diesen ersten Novembertagen beginnen, doch die organisatorischen Schwierigkeiten sind beträchtlich: Es fehlt ein nationales Wählerverzeichnis, die Zeit ist knapp bemessen und die Wahlkommission (NEC) verfügt nicht über die erforderlichen Finanzmittel. Hinzu kommen Unsicherheit, infrastrukturelle Mängel und logistische Schwierigkeiten in einem weitläufigen und wenig entwickelten Gebiet. Ein weiterer Streitpunkt ist Abyei, eine zwischen dem Sudan und dem Südsudan umstrittene Region, die Juba in die Wahlen im Dezember einbeziehen will. Khartum hat diese Entscheidung im Juli 2026 offiziell angefochten und sie als Verstoß gegen die bilateralen Abkommen gewertet. UN-Generalsekretär António Guterres hat die beiden Länder aufgefordert, den Streit im Rahmen des Gemeinsamen Politischen und Sicherheitsmechanismus beizulegen. Der Status des Gebiets ist seit 2011 ungeklärt. Die Vereinten Nationen beobachten die Lage weiterhin durch die Mission der Vereinten Nationen im Südsudan (UNMISS), deren Mandat bis April 2027 verlängert wurde, und drängen auf politischen Dialog, Sicherheitsreformen und die Umsetzung des Friedensabkommens von 2018. Auch die katholische Kirche engagiert sich für die Versöhnung: In Malakal kamen die Bischöfe des Sudans und des Südsudans zu einer Vollversammlung zusammen, um über Frieden, Einheit und die Unterstützung von Vertriebenen zu beraten. Auf humanitärer Ebene sieht sich der Südsudan mit einer Notlage dramatischen Ausmaßes konfrontiert. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen im Jahr 2026 etwa zwei Drittel der Bevölkerung, d. h. 9,9 bis 10 Millionen Menschen von insgesamt 14,4 Millionen Einwohnern, Hilfe. Die Ernährungslage ist besonders alarmierend: Rund 7,8 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit, darunter Zehntausende unter katastrophalem Hunger. Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben worden, während über eine Million Flüchtlinge und Rückkehrer infolge des anhaltenden Konflikts aus dem Sudan eingetroffen sind. Die Notlage wird durch die Ausbreitung von Cholera und anderen Infektionskrankheiten sowie durch Überschwemmungen und Dürren verschärft. Frauen und Kinder sind besonders von Gewalt und Sicherheitsrisiken bedroht. Der Zugang zu humanitärer Hilfe wird zudem häufig durch die unsichere Lage behindert. Die Wahl am 22. Dezember ist ein Test für die institutionelle Zukunft des Südsudans und für die Glaubwürdigkeit des nach Jahren des Konflikts eingeleiteten Übergangsprozesses. Die Herausforderung für das Land besteht weiterhin darin, den politischen Übergang in einen wirksamen Prozess des Friedens, der Versöhnung und des Wiederaufbaus zu verwandeln. (AP) (Fides 6/11/2026) |