09.12.2011
Westjordanland/Bethlehem: "Als Christen müssen wir zusammenstehen"
Christen verlassen Bethlehem zunehmend
Immer mehr Christen kehrten der Geburtsstadt Jesu den Rücken, um anderswo ein „neues, leichteres Leben“ zu beginnen, klagt er. Lediglich 15 % der knapp 22.000 Einwohner Bethlehems seien noch Christen. Zum Vergleich: um 1900 waren es noch 90 %! Umso wichtiger sei es, dass Protestanten, Katholiken und Orthodoxe aus dem Rest der Welt nach Bethlehem kämen. „Als Christen müssen wir zusammenstehen, wenn wir nicht möchten, dass im Geburtsort Jesu irgendwann gar keine Christen mehr leben.“ Bevor er wieder vor seinen Laden tritt, um potenzielle Käufer anzusprechen, legt er eine CD mit arabischen Advents- und Weihnachtsliedern ein. Eines davon hat er selbst geschrieben und eingespielt: „Jesus, du bist mein Gott“. „Das ist mein persönliches Glaubensbekenntnis“, sagt er und verschwindet wieder nach draußen.
Adventskranzflechten in Ramallah
Auch in der deutschen Erlösergemeinde in Jerusalem bereitet man sich auf das Weihnachtsfest vor. Es werden gemeinsam Adventskränze gebunden. Wie jedes Jahr fährt dafür eine Gruppe von etwa 20 Gemeindemitgliedern auf den sogenannten Sternberg nach Ramallah ins Westjordanland. Dort befindet sich ein Zentrum der Herrnhuter Brüdergemeine, das unter anderem den einzigen integrativen Kindergarten in der Region unterhält. Für den Ausflug braucht man allerdings etwas Zeit, da zwei Grenzübergänge zu überqueren sind. Das Westjordanland ist nämlich in drei Verwaltungszonen aufgeteilt: eine rein von Israel kontrollierte C-Zone, eine von Israelis und Palästinensern gemeinsam überwachte B-Zone sowie die allein von Palästinensern kontrollierte A-Zone, zu der Ramallah gehört. Klar, dass da mitunter sehr gründlich kontrolliert wird – wobei Touristen oder ausländischen Amts- und Würdenträgern in der Regel keine Schwierigkeiten gemacht werden. Der Ausflug zeige aber nicht nur die Solidarität mit den palästinensischen Christen, betont Propst Uwe Gräbe, höchster Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Heiligen Land. Er hat einen ganz praktischen Grund: „Auf dem Sternberg gibt es einfach das meiste Grün.“ Es wird für die Adventskränze aus Zypressenzweigen gebraucht, die später auf dem Adventsmarkt der Gemeinde verkauft werden.
Quelle: idea