10.12.2011
Deutschland: Eintreten für Menschenrechte ist Christenpflicht
Evangelischer Bischof wendet sich gegen Einschränkungen
Deutschland: Eintreten für Menschenrechte ist Christenpflicht
Evangelischer Bischof wendet sich gegen Einschränkungen
Stuttgart/Hannover/Berlin (idea) – Für einen uneingeschränkten Schutz der Menschenrechte haben sich evangelische Bischöfe und Politiker ausgesprochen. Aus Anlass des „Tags der Menschenrechte“ am 10. Dezember beklagen sie unter anderem die Beschränkung der Religionsfreiheit in vielen Ländern. Bei der Tagung „Europäische Kirchen und Menschenrechte. Protestanten, Orthodoxe und Katholiken im Dialog“ in der Evangelischen Akademie Bad Boll erklärte der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart): „Es ist Bürger- und Christenpflicht, sich für die Menschenrechte einzusetzen.“ Sie seien unteilbar und universal. Gott habe jedem Geschöpf seine eigene Würde zugesprochen. Mit dieser Klarstellung reagierte July auf ein umstrittenes Papier, in dem die russisch-orthodoxe Kirche ihre Grundsätze zu den Menschenrechten dargelegt hatte. Darin spricht sie von einer erst noch zu erringenden Würde des Menschen, akzeptiert indirekt die Todesstrafe und erklärt unter anderem: „Die Menschenrechte dürfen der Liebe zum Vaterland und zum Nächsten nicht widersprechen.“
Für viele Christen geht es um Leben oder Tod
Wie July weiter ausführte, müssen Christen für ihren Glauben oft große Benachteiligungen, Hass, Leid und die Gefährdung ihres Lebens hinnehmen. July: „Für sie ist der Schutz der Menschenrechte - und damit auch der Glaubens- und Gewissensfreiheit - eine Frage des Überlebens.“ Die Kirchen könnten sich aber nur dann glaubwürdig für verfolgte Christen einsetzen, wenn sie auch für die Glaubens- und Gewissenfreiheit aller Menschen einträten.
Bedrohte Flüchtlinge nach Deutschland holen
EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) bekräftigte aus Anlass des Tags der Menschenrechte den kirchlichen Einsatz für ein Neuansiedlungsprogramm für Flüchtlinge. Zum Teil lebten sie jahrelang in Auffanglagern ohne die Möglichkeit, in ihr Herkunftsland zurückzukehren oder sich vor Ort zu integrieren. So habe sich die Lage von irakischen Flüchtlingen in Syrien angesichts des gewaltsamen Vorgehens des Assad-Regimes dramatisch zugespitzt. Auch in Libyen, wo das UN-Flüchtlingswerk zahlreiche Flüchtlinge unter anderem aus Somalia, Eritrea und dem Sudan registriert hat, sei die Sicherheitslage schwierig. Schindehütte: „Diesen Menschen muss unbürokratisch geholfen werden, um ihre Not zu lindern und zugleich die Situation vor Ort zu entspannen.“ Anfang November hatte sich die EKD-Synode in Magdeburg mit einem Beschluss bei der Bundesregierung für die Einrichtung eines dauerhaften Neuansiedlungsprogramms eingesetzt. Damit könnte jährlich eine bestimmte Anzahl besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge in Deutschland Aufnahme finden.
Union beklagt Christenverfolgung
Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, wies darauf hin, dass die Menschenrechte in weiten Teilen der Welt erheblich verletzt werden. Dazu zählt sie unter anderem das Fortbestehen der Todesstrafe in vielen Staaten, die Verfolgung von Christen, die Unterdrückung von Minderheiten, die Morde des syrischen Regimes an Tausenden demonstrierenden Menschen, die Inhaftierung von Oppositionellen in Kuba, das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten in Russland sowie Sklaverei und Zwangsarbeit auf allen Kontinenten.