24.12.2011
Syrien: Christen beteiligen sich nicht am Kampf gegen Assad
Noch herrscht Angst vor Machtübernahme durch Islamisten
Syrien: Christen beteiligen sich nicht am Kampf gegen Assad
Noch herrscht Angst vor Machtübernahme durch Islamisten
Freiburg/Damaskus (idea) – In Syrien werden sich die Christen vorerst nicht dem Kampf gegen das Regime von Staatschef Baschar al Assad anschließen. Die Kirchenleitungen seien seit Jahrzehnten fest in das Regime eingebunden, und einfache Kirchenmitglieder hätten Angst vor einer Machtübernahme durch Islamisten. Diese Ansicht äußerte der 33-jährige syrische Geschäftsmann Thomma Yusef Ibrahim (Damaskus) in einem Interview mit der in Freiburg erscheinenden „Badischen Zeitung“. Er rechnet nicht damit, dass es kurzfristig zu einem Sturz des Regimes wie in Nordafrika kommen werde. Die Wahlen in Tunesien und Ägypten hätten gezeigt, dass Islamisten und Muslimbrüder an die Macht kämen. Dies wollten die Christen in seiner Heimat nicht, sagte Ibrahim. Allerdings dürfe Assad die Christen nicht unterschätzen: „Wir sind flexibler, als viele denken, und könnten uns auch mit einem islamischen Regime arrangieren.“ Ibrahim zufolge wird die Herrschaft von Islamisten nicht nur von Assad, sondern auch im Westen häufig dämonisiert. In der Vergangenheit hätten Islamisten im Orient keine Christenverfolgungen verübt. Den Völkermord an den türkischen Armeniern habe ein laizistisches Regime begangen. Die Vertreibung von einer Million Christen aus dem Irak gehe auf die amerikanische Invasion zurück. Der Ägypter Gamal Abdel Nasser (1918-1970), unter dem Zehntausende Kopten vertrieben wurden, sei ein Sozialist gewesen. Eine friedliche Koexistenz mit der Muslimbruderschaft hält Ibrahim grundsätzlich für möglich. Es wäre jedoch zu früh, darüber zu spekulieren. Sicher sei nur, dass sich die religiösen Gruppen in einer komfortablen Lage befänden, wenn es zu Wahlen käme. Sie seien gut organisiert und genießen hohes Ansehen. Ibrahim unterstützt nach eigenen Angaben die von dem Dissidenten Michel Kilo geführte syrische Demokratiebewegung. Von den etwa 20 Millionen Syrern gehören rund zehn Prozent einer orthodoxen Kirche an.