27.12.2011

Nigeria: Anschlagsserie auf Kirchen

Mehrere Kirchen in Nigeria sind Ziele von Anschlägen geworden. Der schwerste Angriff ereignete sich in Mandalla nahe der Hauptstadt Abuja. Dort sollen nach einer Explosion vor einer Kirche laut Rettungsdienst 35 Tote geborgen worden sein.

Aus verschiedenen Städten wurden im Laufe des Tages weitere Explosionen gemeldet, zwei davon - in Jos und Gadaka - waren ebenfalls gegen Kirchen gerichtet.

Nach Angaben eines Regierungssprechers eröffneten Bewaffnete nach der Explosion einer Bombe vor einer Kirche in Jos zudem das Feuer auf die örtlichen Sicherheitskräfte. Mindestens ein Polizist sei dabei getötet worden.

In einem Gebäude in der Nähe der Kirche seien zwei weitere Sprengsätze rechtzeitig entdeckt und entschärft worden. Der Sprengsatz habe drei Fahrzeuge zerstört und eine Mauer der Kirche umgerissen.

In Gadaka wurde nach Angaben eines Anwohners niemand verletzt. Wie aus nigerianischen Sicherheitskreisen verlautete, verübte außerdem ein Selbstmordattentäter in der nordöstlichen Stadt Damaturu einen Anschlag auf einen Konvoi der Geheimpolizei. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben.

Die radikalislamische Sekte Boko Haram bekannte sich zu den Taten. "Wir werden diese Attacken im Norden in den nächsten Tagen fortsetzen", sagte ein Sprecher der Terrorgruppe. Bei einer Serie von Attacken in den Tagen vor Weihnachten, zu der sich die Boko Haram auch bekannte, wurden im Nordosten Nigerias bis zu 100 Menschen getötet.

Die Sekte hatte auch Weihnachten 2010 christliche Einrichtungen in Jos angegriffen, dabei waren 32 Menschen getötet worden. Die Gruppierung strebt die Errichtung eines islamischen Staates im Norden Nigerias an. Die 2003 gegründete Gruppe, die sich gegen jeden westlichen Lebensstil wendet, bezeichnet sich selbst auch als "nigerianische Taliban".

Bundespräsident Christian Wulff verurteilte die Anschläge und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Diese feige Gewalt ist von keiner Religion gedeckt", heißt es in einem Beileidstelegegramm an den nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan. Es sei "besonders verabscheuungswürdig, dass sich die Anschläge gegen Menschen richteten, die sich friedlich an Weihnachten in ihren Gotteshäusern versammelt hatten".

Außenminister Guido Westerwelle forderte dazu auf, sich "dem Übel des Terrorismus, von Gewalt und Unterdrückung mit ganzer Kraft entgegen zu stellen". Verurteilt wurden die Anschläge auch von den Regierungen in Paris, London und Washington. US-Vertreter stünden mit ihren nigerianischen Kollegen in Kontakt und wollten dabei helfen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, hieß es aus Washington.

Auch der Vatikan verurteilte den Anschlag in Mandalla. Es sei das Ergebnis eines "blinden und absurden Hasses", erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. Die katholische Kirche bete für alle Nigerianer, die "in diesen Tagen, die von Friede und Freude geprägt sein sollten, terroristischer Gewalt" ausgesetzt seien. Die Täter wollten "noch mehr Hass säen und Verwirrung stiften".

Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden leben hauptsächlich Christen, im Norden Muslime.

Quelle: ARD tagesschau.de