28.12.2011
Nigeria: Christen zum Verzicht auf Rache aufgefordert
Muslimischer Führer: Es gibt keinen Religionskonflikt im Land
Nigeria: Christen zum Verzicht auf Rache aufgefordert
Muslimischer Führer: Es gibt keinen Religionskonflikt im Land
Abuja (idea) – Nach der Serie von Anschlägen auf Christen zu Weihnachten hat Nigerias Präsident Goodluck Jonathan die Christen zum Verzicht auf Vergeltung aufgerufen. Rache sei keine Antwort, erklärte ein Sprecher. Bei den Bombenanschlägen auf katholische Kirchen waren am ersten Weihnachtsfeiertag mindestens 40 Menschen getötet worden. Zu den Attentaten hatte sich die islamistische Sekte „Boko Haram“ bekannt. Die auch als „Taliban Nigerias“ bezeichnete Bewegung will einen islamischen Gottesstaat errichten. Laut Agenturmeldungen sind in den vergangenen Tagen viele Christen aus Furcht vor weiteren Gewalttaten aus dem überwiegend muslimischen Norden des Landes geflohen. Der spirituelle Führer der Muslime in Nigeria, der Sultan von Sokoto, Mohammed Saad Abubakar, betonte indes nach einem Gespräch mit Präsident Jonathan, es gebe keinen Religionskonflikt im Land. „Ich will allen Nigerianern versichern, es gibt keinen Konflikt zwischen Muslimen und Christen, zwischen Islam und Christentum“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur AFP. Vielmehr handle es sich um einen Konflikt zwischen guten und bösen Menschen. „Die guten Menschen sind zahlreicher als die bösen, also müssen die guten Menschen zusammenkommen, um die bösen zu besiegen“, so der Sultan. Jonathan – selbst Christ – äußerte sich nach dem rund 90-minütigen Gespräch mit dem Sultan nicht öffentlich. Der Sekretär der Christlichen Vereinigung Nigerias für die Nordstaaten, Saidu Dogo, rief die Regierung auf, mehr zu tun, um das Miteinander zwischen Christen und Muslimen im Land zu befrieden. Nur so könne ein „religiöser Krieg“ verhindert werden. Seinen Angaben nach gründeten die Christen aus Angst vor weiteren Anschlägen mancherorts Bürgerwehren, um ihre Kirchen und Viertel zu schützen. Von den 150 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen. Der Norden des westafrikanischen Landes ist mehrheitlich von Muslimen bewohnt, während im ölreichen Süden die Christen in der Mehrheit sind.