03.04.2012

Nordostpreußen: Neuer Propst für Lutheraner in Königsberg

Theologe Thomas Vieweg wechselt von der Pfalz nach Königsberg

Nordostpreußen: Neuer Propst für Lutheraner in Königsberg

Theologe Thomas Vieweg wechselt von der Pfalz nach Königsberg

Königsberg (idea) – Einen neuen Propst erhalten die rund 2.100 Lutheraner im nördlichen Ostpreußen. Ab August übernimmt der 59-jährige Thomas Vieweg für drei Jahre die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Propstei Königsberg (Kaliningrad). Der gebürtige Erfurter steht seit 13 Jahren an der Spitze des pfälzischen Kirchenbezirks Kirchheimbolanden. Wie Oberkirchenrat Michael Hübner (Hannover) gegenüber idea sagte, hätten alle Gremien in Königsberg die Berufung Viewegs einstimmig ausgesprochen. Demnächst solle die Bestätigung durch den Rat der EKD folgen. Sein Vorgänger in Königsberg Jochen Löber musste aus persönlichen Gründen im vorigen Jahr nach Deutschland zurückkehren.

Das dreigeteilte Ostpreußen

Der Anteil der Christen in dem bis 1945 fast ausschließlich evangelischen Gebiet liegt nach der 45 Jahre währenden sowjetischen Verfolgungszeit und 20 Jahren relativer Demokratie bei etwa 26  Prozent der fast eine Million Bürger in der Region. Sie ist fast so groß wie Schleswig-Holstein. Die meisten Einwohner sind orthodoxe Russen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Ostpreußen Teil des Deutschen Reiches. Seither ist es dreigeteilt: Der Norden – das Memelland – gehört zu Litauen, der Süden zu Polen und die „Mitte“ zu Russland. Die nach der sowjetischen Eroberung übrig gebliebenen 20.000 Deutschen in Nordostpreußen (Kaliningrader Gebiet) wurden 1947 und 1948 hauptsächlich in die Sowjetische Besatzungszone (die spätere DDR) deportiert. Erst nach dem politischen Umsturz – 1989 bis 1991 – durften Deutsche aus Kasachstan und Sibirien ins nördliche Ostpreußen umziehen. Die Protestanten unter den rund 8.000 Zugezogenen gründeten mit Hilfe der EKD die lutherische Propstei, die heute rund 40 Gemeinden mit 7 Geistlichen umfasst. In der Königsberger Auferstehungskirche und in Gumbinnen finden zweisprachige (deutsch und russisch) Gottesdienste statt. Die Kirche unterhält ein Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche, eine Diakoniestation und ein Altenpflegeheim.

Übergang in einheimische Hände

Vieweg wird der vermutlich letzte von der EKD entsandte Propst sein. In der zweiten Hälfte seiner dreijährigen Amtszeit soll er seinen einheimischen Nachfolger bei der Einarbeitung begleiten. Unterstützt wird Vieweg von seiner Frau Monika, die von der EKD als theologische Mitarbeiterin ausgesandt wird. Für die neuen Aufgaben bringen Viewegs gute Voraussetzungen mit. In der Schule hatten beide in der DDR Russisch lernen müssen. Als Theologiestudent hat Thomas Vieweg in Ost-Berlin intensive Erfahrungen mit einem politisch schwierigen System gemacht, sagte er zu idea. Nach vielen Schikanen durch die Stasi verließen er und seine Familie 1984 die DDR.