04.04.2012

Serbien: Deutsche Lutheraner kämpfen um Anerkennung

Evangelische Gemeinde in Belgrad gilt in den Medien als „Sekte“

Serbien: Deutsche Lutheraner kämpfen um Anerkennung

Evangelische Gemeinde in Belgrad gilt in den Medien als „Sekte“

 

Belgrad (idea) – Einen schweren Stand hat die lutherische Deutsche Evangelische Kirche in Serbien mit ihrer Gemeinde in Belgrad. Im Stadtbezirk Zemun kommen einmal im Monat etwa 150 deutschsprachige Protestanten zum Gottesdienst zusammen. Zu ihrer Betreuung hat die EKD den Ruhestandspfarrer Dieter Tunkel entsandt. Er ist auch „Senior“ der Kirche, die sich der 31.500 Mitglieder zählenden Slowakischen Evangelischen Kirche in Serbien angeschlossen hat. Der Grund liegt in ihrem ungeklärten Rechtsstatus. Wie das Deutschlandradio berichtete, gilt die Gemeinde nach dem serbischen Religionsgesetz nicht als Kirche, sondern als „nichtregistrierte Glaubensgemeinschaft“; serbische Medien setzten dies mit einer „Sekte“ gleich. Der Grund für die mangelnde Anerkennung liegt in der wechselvollen Geschichte der deutschen Kirche. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in der Provinz Vojvodina etwa 350.000 Deutsche, deren Vorfahren vor 250 Jahren als Siedler ins Land gekommen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die sogenannten „Donauschwaben“ verfolgt und enteignet. Es gab nach 1945 keine evangelische Gemeinde mehr. Die Kirche in Zemun wurde laut Tunkel unter anderem als Wettbüro, Nachtklub und Diskothek zweckentfremdet. 2007 wurde die Kirche als Nachfolger aller deutschen Gemeinden neu gegründet. Weil ihr die staatliche Registrierung versagt blieb, sei sie 2008 Teil der slowakischen Kirche geworden. Die Gemeinde hat laut Tunkel vergeblich die Rückgabe nach dem Restitutionsgesetz beantragt. Die Klage liege mittlerweile beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg, denn Serbien erkenne als Rechtsnachfolgerin nur eine kleine Kirche aus Subotica an, die ungarischsprachige Gemeinden in Serbien betreut. Von den 7,7 Millionen Einwohnern Serbiens sind etwa 80 Prozent Christen, 16 Prozent Muslime und vier Prozent Nicht-Religiöse. 74 Prozent der Bevölkerung sind orthodoxe Kirchenmitglieder, fünf Prozent Katholiken und knapp zwei Prozent Protestanten.