08.04.2012

Rumänien: Verbundenheit mit der Heimat stärken

Siebenbürger Sachsen: Lutherische Kirche richtet ein Kooperationsreferat in München ein

Rumänien: Verbundenheit mit der Heimat stärken

Siebenbürger Sachsen: Lutherische Kirche richtet ein Kooperationsreferat in München ein

München (idea) – Die oft angespannten Beziehungen zwischen jenen Siebenbürger Sachsen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Hunderttausenden nach Deutschland ausgesiedelt sind, und jenen, die in der Heimat in Rumänien blieben, sollen beruhigt und gestärkt werden. Dazu hat die lutherische Evangelische Kirche A. B. in Rumänien ein Referat mit einem Büro in München eingerichtet. In Siebenbürgen, einer Region fast von der Größe Belgiens, lebt seit rund 850 Jahren die deutsche Minderheit der Siebenbürger Sachsen. Aufgrund der Auswanderung ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder von 200.000 auf rund 14.000 geschrumpft. Wie der Leiter des Referats, Pfarrer Stefan Cosoroaba, der Siebenbürgischen Zeitung (München) mitteilte, kommt es gelegentlich zu „harter Ablehnung“ und Unverständnis zwischen Daheimgebliebenen und Ausgewanderten. Wegen der Auseinandersetzungen um „Bleiben oder Gehen“ sei die Gemeinschaft gespalten. Hier wolle man „ein neues Kapitel“ aufschlagen. Die Wunden könnten aber erst mit der Zeit geheilt werden. Doch obwohl die Lebenswelten in Rumänien und Deutschland deutlich verschieden seien, bestehe ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Für viele sei Siebenbürgen nach wie vor eine „Sache des Herzens“. Zudem lebe man im gemeinsamen Europa.

Im Sommer reisen Tausende in die alte Heimat

Schon seit dem Jahr 2003 ist laut Cosoroaba eine doppelte Kirchenmitgliedschaft möglich. Ausgewanderten Gemeindemitgliedern stehe eine Wiedereingliederung in ihre Heimatgemeinde offen. Ferner dürfe die siebenbürgische Kirche im Ausland Gemeinden gründen. Allerdings werde sie dies in Deutschland nicht tun, weil es hier bereits eine evangelische Kirche gebe. Laut Cosoroaba halten sich im Sommer regelmäßig über 5.000 ehemalige Gemeindemitglieder in Siebenbürgen auf; dort verlangten sie immer wieder auch nach Taufen oder Trauungen. Ferner steige die Zahl von Urnenbeisetzungen ehemaliger Kirchenmitglieder. Eine Doppelmitgliedschaft diene dem Zugehörigkeitsgefühl, und der Siebenbürgischen Kirche stärke es den Rücken, wenn sie wieder mehr Mitglieder habe. Auch helfe die finanzielle Unterstützung etwa beim Erhalt der historischen Kirchenburgen.

Lange Geschichte der deutschen Minderheit

Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen begann im 12. Jahrhundert. Historiker vermuten, dass der ungarische König Géza II. (1130-1162) Kreuzfahrer bewogen hatte, in Siebenbürgen sesshaft zu werden, anstatt nach Jerusalem zu reisen. 1546 nahm die Siedlergemeinschaft den evangelischen Glauben an. Ihre Kirche wurde zur Hüterin der deutschen Tradition und des deutschsprachigen Schulwesens. Als Bischof amtiert heute Reinhart Guib in Hermannsburg. In Deutschland leben rund 250.000 Siebenbürger Sachsen. Größere Gruppen gibt es auch in Österreich, den USA und Kanada. Von den 21,2 Millionen Einwohnern Rumäniens bezeichnen sich fast 98 Prozent als Christen. Die Orthodoxen stellen 87 Prozent der Bevölkerung, die Protestanten 6 Prozent und die Katholiken 5 Prozent.