10.04.2012

Großbritannien: Ein „Jesus“ aus Knochen und Adern

Englischer TV-Sender zeigte Bericht über Werk des Plastinators Gunther von Hagens - Verstoß gegen die Menschenwürde vorgeworfen

Großbritannien: Ein „Jesus“ aus Knochen und Adern

Englischer TV-Sender zeigte Bericht über Werk des Plastinators Gunther von Hagens - Verstoß gegen die Menschenwürde vorgeworfen

London/Guben/Heilbronn (idea) – Einen aus Knochen und Blutgefäßen zusammengesetzten Menschen, der auf ein Kreuz genagelt ist, hat der englische Fernsehsender Channel 4 am Ostersonntag gezeigt. Hergestellt hat das Werk der deutsche Anatom und Plastinator Gunther von Hagens (Guben/Bundesland Brandenburg). Dieser „Jesus“ sei sein Vermächtnis, teile der umstrittene Mediziner Medien mit. „Das ist der Jesus, den hat der von Hagens gebaut“, solle die Nachwelt sagen. Sein Ziel sei, „Religion sichtbar zu machen“ und „den Geist und die Seelen der Menschen zu bewegen“. Um größte Aufmerksamkeit zu erregen, plane er einen „Kreuzzug“ über die Alpen bis nach Rom. Vor Banken, Kirchen und Skiressorts will er das Kruzifix aufstellen. Im solle sich der Papst „persönlich damit auseinandersetzen“.

Theologe kritisiert „ungeheure Provokation“

Die Zuschauer von „Channel 4“ reagierten überwiegend positiv auf den Bericht. Auf der Internetseite des Senders äußerten viele Betroffenheit und Dankbarkeit, weil ihnen Jesus nahegebracht worden sei. Dagegen hält der Vorsitzende des deutschen Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Pfarrer Rolf Hille (Heilbronn), das Werk für eine „ungeheure Provokation“. Man könne es nicht mit Jesus-Bildern und -Statuen in Kirchen oder mit Kruzifixen an Straßen vergleichen, da diese zur Anbetung des Gottessohns führen sollen. Von Hagens hingegen missbrauche die Kreuzigung, um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Durch das Verwenden menschlichen Materials erwecke er zudem den Anschein, dass Jesus immer noch am Kreuz hänge. „Damit wird die Auferstehung geleugnet“, sagte Hille auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Kirchen sehen Verstoß gegen die Menschenwürde

Vermutlich ist dieser „Jesus“ von Hagens letztes Werk. Der 67-Jährige, der sich selbst als Atheist bezeichnet, leidet unter der Parkinsonschen Krankheit (Schüttelkrankheit), die seine Bewegungen und sein Sprechen zunehmend beeinträchtigt. Seit den 90er Jahren zeigt von Hagens präparierte Leichen weltweit in der Ausstellung „Körperwelten“. Dabei stellt er sie in unterschiedlichen Posen dar, unter anderem beim Geschlechtsverkehr. Neben Zustimmung stieß er auf heftige Kritik, unter anderem bei den Kirchen. Man warf ihm einen Verstoß gegen die Menschenwürde und den schätzungsweise mehr als 33 Millionen Besuchern der Ausstellung Voyeurismus vor.