11.04.2012

Mali: Christen flüchten vor islamischen Extremisten

Deutsche Missionare ausgereist - Bewaffnete Rebellen kontrollieren den Norden

Mali: Christen flüchten vor islamischen Extremisten

Deutsche Missionare ausgereist - Bewaffnete Rebellen kontrollieren den Norden

Bamako (idea) – Obwohl sich die politische Lage im westafrikanischen Mali nach einem gescheiterten Militärputsch und der Einsetzung einer Übergangsregierung etwas entspannt hat, bleibt die Lage für die christliche Minderheit lebensbedrohlich. Tausende flüchten aus dem Norden, wo radikal-islamische Rebellen die Macht an sich gerissen haben. Verschiedene Gruppen, die teilweise in Verbindung mit dem Terrornetzwerk El Kaida stehen, wollen dort das islamische Religionsgesetz, die Scharia, einführen. In den Städten Timbuktu und Gao sind christliche Gemeinden zerstört und teilweise auch Pastoren bedroht und angegriffen worden. Das bestätigte der deutsche Mediziner Sven Eißele auf Anfrage von idea. Er war seit 2006 für die freikirchliche Allianz-Mission (Dietzhölztal/Mittelhessen), an einer Einrichtung für HIV-Infizierte in Sévaré bei Mopti tätig. Wegen der Unruhen musste er Ende März mit seiner Familie das Land verlassen. Auch zwei weitere Missionarsfamilien und eine Kurzzeitmitarbeiterin sind nach Deutschland zurückgekehrt. Eine Familie befand sich bereits auf Heimaturlaub. Die Allianz-Mission – die Auslandsmission des Bundes Freier evangelischer Gemeinden – hat vorläufig alle Mitarbeiter aus Mali abgezogen. Dort ist sie seit 1985 tätig und engagiert sich in Gesundheitsdiensten, Brunnenbau, Landwirtschaft, Gemeindebau und theologischer Ausbildung.

Islamische Gruppen nutzen die Wirren des Putsches

Ende März hatten Militärs Malis Präsidenten Amadou Toumani Touré gestürzt. Aufgrund von Sanktionen und internationalem Druck gaben die Putschisten nach zwei Wochen die Macht wieder ab. Touré machte durch seinen Rücktritt den Weg frei für eine Übergangsregierung unter Parlamentspräsident Dioncounda Traoré. Er soll binnen 40 Tagen Neuwahlen abhalten. Doch Tuareg-Rebellen und andere radikal-islamische Gruppen nutzten die Wirren des Putsches und den Rückzug von Regierungstruppen, um den Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Zum Teil handelt es sich um gut bewaffnete ehemalige Kämpfer im Dienst des früheren libyschen Diktators Muammar Gaddafi, die nach Mali zurückgekehrt sind. Insgesamt sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 93.000 Menschen aus dem Norden geflohen. Darunter sind laut Eißele auch viele Christen.

Eines der ärmsten Länder

Mali ist etwa dreieinhalbmal so groß wie Deutschland, hat aber nur zwölf Millionen Einwohner; davon leben etwa zwei Millionen in der Hauptstadt Bamako. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 200 Euro ist Mali eines der ärmsten Länder der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen beträgt 51, von Männern 48 Jahre. Fast jedes zehnte Kind stirbt im ersten Lebensjahr. Nach Angaben der Allianz-Mission bekennen sich 85 Prozent der Bevölkerung zum Islam; 11,2 Prozent seien Anhänger von Naturreligionen und 3,8 Prozent Christen.