14.04.2012
Afghanistan: Im Untergrund sprießt der christliche Glaube
Politisch wird das Land immer stärker radikal-islamisch geprägt
Afghanistan: Im Untergrund sprießt der christliche Glaube
Politisch wird das Land immer stärker radikal-islamisch geprägt
Kabul (idea) – Während sich Afghanistan einerseits immer mehr zu einem radikal-islamischen Land entwickelt, breitet sich andererseits im Untergrund der christliche Glaube aus. Nach Angaben des iranischen christlichen Informationsdienstes „Mohabat News“ wenden sich vor allem Jugendliche dem Christentum zu. Hausgemeinden wüchsen „gewaltig“. Eine schiitische Internetseite im Iran habe einen „kenntnisreichen afghanischen Offiziellen“ mit den Worten zitiert, dass sich „christliche Propaganda“ ausbreite. Es sei bewiesen, dass mehr als zehn Gemeinden im Geheimen in Wohngebieten operierten. Diese Angaben werden von christlichen Afghanistan-Kennern gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea bestätigt. Für unglaubwürdig halten sie indes die Behauptung, dass auch Parlamentsabgeordnete Christen geworden seien.
Keine öffentliche Kirche mehr
Mehr als zehn Jahre nach dem Sturz des radikal-islamischen Taliban-Regimes Ende 2001 gibt es in Afghanistan keine einzige öffentlich zugängliche Kirche mehr. Die letzte wurde 2009 geschlossen. Auch sucht man christliche Schulen vergeblich, berichtete die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (Washington). Mit der Religionsfreiheit für Minderheiten, etwa einheimische Christen, ist es nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) schlecht bestellt. Besonders für Konvertiten sei die Lage unter der Herrschaft von Staatspräsident Hamid Karsai wegen der islamisch-fundamentalistischen Prägung der Gesellschaft eher noch schlechter als im Iran.
Islam-Institut: Frauen sind rechtlos
Auf die prekäre Menschenrechtssituation für Frauen macht das Institut für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufmerksam. In Afghanistan gelte nach der Verfassung das islamische Religionsgesetz, die Scharia; danach seien Frauen zweitrangig. Zum Beispiel dürften sie geschlagen werden, wenn sie ihrem Ehemann nicht gehorchen. Ihre Rechtlosigkeit werde vielfach noch durch das Stammesrecht verschärft. So könne „Ehrenmord“ als Mittel der Vergeltung für „unmoralische“ Handlungen gelten. „Die Frauen sind künftig wieder genauso rechtlos wie zur Zeit der Taliban“, so das Institut. 87 Prozent der afghanischen Frauen gäben an, dass die in Familie und Gesellschaft Gewalt erlitten. Nach dem für 2014 geplanten Abzug der rund 130.000 ausländischen Soldaten würden die Taliban wieder eine möglicherweise bestimmende politische Kraft des Landes sein. Von den 29 Millionen Einwohnern sind fast 99,9 Prozent Muslime. Die Zahl der Christen, meist Ausländer, wird auf bis zu 15.000 geschätzt. Daneben gibt es etwa 3.000 Sikhs, 400 Anhänger der Baha’i-Religion und rund 100 Hindus.