17.04.2012

Ex-Sowjetunion: Mehr Gegenwind für Protestanten

„Licht im Osten“: Hetzkampagne gegen Evangelische in der Ukraine

Ex-Sowjetunion: Mehr Gegenwind für Protestanten

„Licht im Osten“: Hetzkampagne gegen Evangelische in der Ukraine

Korntal (idea) – In den meisten Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion stoßen evangelische Gemeinden zunehmend auf Widerstand. Das berichteten Referenten beim Jahresfest des Missionsbundes „Licht im Osten“ am 15. April in Korntal bei Stuttgart. Während in den von orthodoxen Kirchen geprägten Ländern alle anderen Christen pauschal als Sektierer bezeichnet würden, versuchten die islamischen Staaten Zentralasiens mit Hilfe verschärfter Religionsgesetze christliche Aktivitäten zu verhindern. Dennoch bemühten sich die Gemeinden, ihren Landsleuten das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen, sagte der Missionsleiter, Pfarrer Johannes Lange, vor rund 400 Besuchern. Besonders brisant sei die Situation in der Ukraine. Dort habe Anfang des Jahres eine Hetzkampagne gegen alle Protestanten begonnen. Anlass sei der Selbstmord eines jungen Mädchens, das eine Bibelausstellung in Kiew besucht und ein Heft der von „Licht im Osten“ herausgegebenen Kinderzeitschrift „Tropinka“ mitgenommen hatte. Medien hätten Protestanten danach öffentlich beispielsweise als Sekte bezeichnet. Doch würden die Aktivitäten von „Licht im Osten“ von der Bevölkerung sehr geschätzt. 1.600 Bibliotheken bäten um christliche Kinderbücher, weil die Nachfrage so groß sei. An Weihnachten seien rund 2.000 Geschenkpakete an Kinder armer Familien verteilt worden. Selbst ein orthodoxer Theologe, den man um eine Begutachtung von Tropinka gebeten habe, habe nichts Schlechtes festgestellt. Auch die Behörden hätten mitgeteilt, dass die Inhalte mit den ukrainischen Mediengesetzen übereinstimmten, sagte Lange. Man hoffe, dass sich die Lage bald beruhige. Unklar seien die Auswirkungen dieser Kampagne auf die geplanten evangelistischen Einsätze im Sommer in zahlreichen Dörfern. Im vergangenen Jahr habe man eine große Offenheit für eine bibelgemäße Glaubensverkündigung festgestellt. Bei 14 Einsätzen hätten sich mehr als 1.400 Menschen für ein Leben mit Jesus Christus entschieden.

Geschenk-Päckchen für arme Kinder erschwert

Auch in anderen Ländern gebe es Schwierigkeiten, weil die jeweilige orthodoxe Kirche eine christliche Monopolstellung beanspruche. Die russisch-orthodoxe Kirche mache keinen Unterschied zwischen Baptisten, Lutheranern und Pfingstlern, sondern behandle alle gleichermaßen als Fremdkörper. Die Regierung mache die zollfreie Einfuhr von Kleidung  und anderen Hilfsgütern nahezu unmöglich, weil alle Hilfsorganisationen unter den Generalverdacht gestellt würden, dass sie mit Hilfsgütern Handel treiben. Seit dem vergangenen Jahr sei auch die zollfreie Einfuhr von Geschenkpäckchen für arme Kinder wesentlich erschwert.

Kirgisistan: 3.500 Moscheen für 5,4 Millionen Einwohner

Der Gebietsleiter von „Licht im Osten“ für Zentralasien, Jakob Kröker, berichtete von einem wachsenden Einfluss des Islam in Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Usbekistan. Überall schössen Moscheen wie Pilze aus dem Boden. In Kirgisistan sei ihre Zahl in den vergangenen 20 Jahren von Null auf 3.500 gestiegen, wobei das Land nur fünf Millionen Einwohner habe. Eltern schickten ihre Kinder zunehmend in Koranschulen; auf den Straßen sehe man immer mehr verschleierte Frauen, und während des Freitagsgebets komme das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Zugleich wachse der Druck auf die Christen. Gemeindemitglieder würden aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, sie bekämen kein Weideland für ihr Vieh, und ihre Toten dürften sie nicht auf dem kommunalen Friedhof begraben. Wegen falscher Anschuldigungen würden Christen verhaftet. In Turkmenistan sei der Besitz von christlicher Literatur und Musik verboten. Viele Christen feierten Gottesdienste nur noch im Geheimen. Auch die offiziell zur Kontrolle radikal-islamischer Gruppen gedachten Religionsgesetze würden ständig verschärft. In der Praxis beträfen sie aber vor allem christliche Gemeinden, so Kröker. Danach müssten sich alle Gemeinden neu registrieren lassen, um Versammlungen abhalten zu dürfen. Die zum Beispiel in Kasachstan geltende Voraussetzung, dass die Gemeinde mindestens 50 Personen umfassen muss, sei kaum erfüllbar. Außerdem seien missionarische Aktivitäten ebenso wie Kinder- und Jugendarbeit streng verboten. Trotz aller Einschränkungen gebe es an manchen Orten ein reges Gemeindeleben. Manche Christen seien zuversichtlich, dass ihr Land eines Tages christlich werde, sagte Kröker.

Große Nachfrage nach Bibeln in Osteuropa

Der Vorstandsvorsitzende von „Licht im Osten“, Pfarrer Martin Hirschmüller (Ruit bei Stuttgart), bekräftigte den Auftrag der 92 Jahre alten Organisation, die Bibel in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion zu verbreiten. Doch reichten die Spenden nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Muslime hätten es leichter. Sie könnten 25 Millionen Koran-Exemplare in Deutschland verteilen, während man sich bei „Licht im Osten“ freue, 30.000 Bibeln für Russland drucken zu können.

Kinderzeitschrift für mehr als eineinhalb Millionen Leser

„Licht im Osten“ arbeitet mit neun Partnerorganisationen in Russland, Osteuropa und Zentralasien zusammen und unterstützt dort etwa 140 einheimische Missionare und Mitarbeiter. Der Missionsbund stellt ihnen Bibeln, christliche Literatur, Lebensbeschreibungen und Zeitschriften in über 30 Sprachen zur Verfügung. Bestseller ist das russischsprachige Zwei-Monats-Magazin „Glaube und Leben“ mit einer Auflage von 90.000 Exemplaren sowie die Kinderzeitschrift Tropinka, die in neun Sprachen erscheint und mehr als eineinhalb Millionen Leser erreicht. Außerdem fördert der Missionsbund soziale Projekte, darunter ein Alphabetisierungsprogramm für bulgarische Roma, ein Flüchtlingslager im Kaukasus und die Betreuung von aidskranken Kindern in St. Petersburg.