26.04.2012
Tansania-Sansibar: Kirchen sollen verschwinden
Muslimische Geistliche fordern "Säuberung" der Insel von Kirchen – Gemeinde wehrt sich gegen Willkür
Tansania-Sansibar: Kirchen sollen verschwinden
Muslimische Geistliche fordern "Säuberung" der Insel von Kirchen – Gemeinde wehrt sich gegen Willkür
(Open Doors) - Im Gegensatz zur Situation auf dem Festland sind Christen auf der zu Tansania gehörenden Inselgruppe Sansibar eine bedrängte Minderheit unter den überwiegend muslimischen Einwohnern. Sie werden bei der Registrierung von Gemeinden oder beim Immobilienkauf ebenso benachteiligt wie im Bildungswesen und Arbeitsleben. Aufgrund des wachsenden Einflusses islamischer Extremisten stehen sie zudem im Visier radikaler Gruppen, die eine Verwestlichung der Gesellschaft fürchten. Zusätzlich angeheizt wird die Stimmung gegen Christen seit Monaten durch die Hetze muslimischer Geistlicher gegen Kirchen. Das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors ruft dazu auf, den rund 4.000 Christen auf Sansibar im Gebet beizustehen und sie dadurch zu ermutigen.
"Schwarze Liste"
Seit Monaten prangern muslimische Geistliche öffentlich eine angebliche "Überflutung" der Insel von Kirchen an und fordern die "Säuberung" ihrer Heimat von allen Kirchen. Alle Muslime werden in diesem Zusammenhang zur Wachsamkeit aufgerufen. Open Doors wurde von einer Liste von Gemeinden überwiegend pfingstlicher Prägung berichtet, die beseitigt werden sollen. Sie würden wegen ihrer Predigten und lauten Anbetungszeiten als "Ruhestörer" gelten. Als nächste auf der Liste, so einheimische Quellen, soll eine Gemeinde in Kariokor stehen.
Zur Wehr gesetzt
Auch der "Church of God" in Mbweni soll offenbar ein Ende bereitet werden: Am 31. März übergab ein Bezirksbevollmächtigter der Gemeinde ein Schreiben. Darin wird sie aufgefordert, Lobpreiszeiten und Gottesdienste einzustellen, da sie sich im Haus des Pastors versammelt. Religiöse Gruppen bzw. Treffen in Privathäusern sind verboten. Zwar sagte die Gemeinde ihren regulären Gottesdienst am darauffolgenden Sonntag ab, doch sie legte Beschwerde beim Bezirksamt ein. In dem Beschwerdebrief wurde dargelegt, dass es sich bei dem Gebäude nicht um ein Privathaus, sondern um eine Kirche handelt. Kopien des Schreibens gingen auch an weitere Behörden der Region sowie an das Büro des Präsidenten von Sansibar. In der derselben Nacht beschädigten etwa 20 junge Männer eine Tochtergemeinde der "Church of God" in Kianga nahe Sansibar Stadt. Vor wenigen Tagen tauchten Regierungsbeamte während des Gottesdienstes in der "Church of God" in Mbweni auf und drohten mit Konsequenzen, da die Gemeinde die Gottesdienste fortführt.