29.04.2012
Deutschland/Israel: Journalistin kritisiert Ablehnung Israels durch Christen
Süddeutsche Israel-Konferenz: Anti-israelische Stimmung nicht nur bei Islamisten
Deutschland/Israel: Journalistin kritisiert Ablehnung Israels durch Christen
Süddeutsche Israel-Konferenz: Anti-israelische Stimmung nicht nur bei Islamisten
Bad Liebenzell (idea) – Anti-israelische Stimmungsmache ist keine Spezialität von Islamisten. Auch unter Christen gibt es eine weit verbreitete Ablehnung Israels. Das beobachtet die freie Journalistin Carmen Matussek (Tübingen). Bei der Süddeutschen Israel-Konferenz am 28. und 29. April in Bad Liebenzell rief die Historikerin und Islamwissenschaftlerin zum Widerstand gegen alle Versuche auf, die Existenz des Staates Israel in Frage zu stellen. Dies geschehe beispielsweise durch palästinensische Theologen wie den lutherischen Pfarrer Mitri Raheb (Bethlehem) und seinen anglikanischen Kollegen Naim Ateek (Jerusalem), die Jesus Christus als Palästinenser und ihre arabischen Landsleute als alleinige rechtmäßige Bewohner des Heiligen Landes darstellten. Ihre israel-kritischen Ansichten fänden auch in Deutschland Zustimmung, wie die Verleihung des Deutschen Medienpreises an Raheb gezeigt habe. Ein von palästinensischen Kirchenvertretern erstelltes „Kairos-Dokument“, in dem unter anderem ein Boykott israelischer Waren gefordert wird, sei über den Ökumenischen Rat der Kirchen weltweit verbreitet worden. Sogar evangelikale Kreise seien nicht gegen Judenfeindlichkeit immun. So wende sich ein Mitglied des weltweiten Willow-Creek-Netzwerks, Stephen Sizer (Virginia Water/Südengland), in mehreren Büchern gegen einen christlichen Zionismus. Seine Kritik an christlichen Israelfreunden, die in der Staatsgründung Israels ein Eingreifen Gottes sehen, bedeute in letzter Konsequenz, die Existenzberechtigung des Staates infrage zu stellen, sagte Frau Matussek. Als weitere Beispiele für „christliche Agitation gegen Israel“ nannte sie die Einladung der Evangelischen Akademie Bad Boll an einen Führer der palästinensischen Hamas, in deren Grundsatzprogramm die Vernichtung Israels als Ziel aufgeführt wird, und die Unterstützung der katholischen Pax-Christi-Organisation für die „Gaza-Solidaritätsflotte“ im Jahr 2010.
„Israelfeinde sind nicht nur die anderen“
Frau Matussek appellierte an die rund 360 Konferenz-Besucher, den israelfeindlichen Kräften in den Kirchen zu widersprechen: „Israelfeide sind nicht nur die anderen. Unser eigener Leib krankt.“ Christen, die von der bleibenden Treue Gottes zum Volk Israel überzeugt seien, sollten sich auch öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Zugleich hätten sie dafür einzutreten, dass das Ansehen der Christenheit in Israel nicht weiter Schaden nehme. Carmen Matussek erhielt für ihre Analyse von antisemitischer Verschwörungspropaganda in arabischen Medien am 26. April den Franz-Delitzsch-Preis des Instituts für Israelogie der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Das Institut vergibt den Preis seit 2007 für hervorragende Beiträge zum jüdisch-christlichen Verhältnis. Veranstalter der Israel-Konferenz war der Arbeitskreis Israel des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes.