30.04.2012

USA: Falsche Methode des Protestes

Evangelikale distanzieren sich von Koran-Verbrennung

USA: Falsche Methode des Protestes

Evangelikale distanzieren sich von Koran-Verbrennung

Umstrittener Prediger protestiert gegen Inhaftierung eines iranischen Pastors

Gainesville/New York (idea) – Der umstrittene US-Prediger Terry Jones hat erneut Koran-Exemplare verbrannt. Die Aktion ist auf scharfe Kritik und Ablehnung der internationalen Dachorganisation der Evangelikalen gestoßen. Vergeblich hatten führende Vertreter der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) zuvor versucht, den 60-jährigen Pastor der Gemeinde Dove World Outreach Center (Taube-Weltmissionszentrum) in Gainesville (Bundesstaat Florida), von seinem Vorhaben abzubringen. Jones hatte am 28. April in Anwesenheit von etwa 20 Gemeindemitgliedern mehrere Koran-Exemplare verbrannt. Er wollte damit gegen die Inhaftierung des 35-jährigen iranischen Pastors Youcef Nadarkhani protestieren, der nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt ist. Jones hatte erstmals 2010 weltweit Aufsehen mit einer angekündigten, aber schließlich abgesagten Koran-Verbrennung am zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 erregt. Er hielt jedoch später einen „Prozess gegen den Koran“ ab und verbrannte etliche Exemplare. In beiden Fällen waren blutige Gewaltaktionen in muslimischen Ländern die Folge.

WEA: Jones repräsentiert die Christen nicht

WEA-Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York) erklärte nach der jüngsten Aktion von Jones, das Verbrennen Heiliger Schriften sei „falsch und ungerechtfertigt“. Es kränke Muslime und spiegele nicht den Geist Jesu Christi wider. Tunnicliffe appellierte an islamische Führungskräfte weltweit, zur Kenntnis zu nehmen, dass Jones die Christen nicht repräsentiere: „Er handelt dem Aufruf Jesu zuwider, alle Menschen zu lieben. Solche Gewalt schadet uns allen.“ Die wenigen Leute, die sich an der Koran-Verbrennung beteiligt hätten, verträten „niemanden außer sich selbst“, betonte der Präsident der Evangelischen Allianz in den USA, Leith Anderson (Washington). Die WEA repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale.

Kölner Gemeinde feuerte Jones

Jones war bis 2008 mehr als 20 Jahre in Deutschland tätig. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und leitete die Christliche Gemeinde Köln, die nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter immer stärker sektiererische Züge annahm. Wegen unhaltbarer theologischer Aussagen und Geltungssucht gab ihm die Gemeinde den Laufpass. Die Leitung kritisierte schon 2010 die beabsichtigte Koran-Verbrennung: „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden.“