06.02.2012
Kuba: Castro will Totenstille vor dem Papstbesuch
Catherine Ashton zeigt sich besorgt über Anstieg kurzzeitiger Verhaftungen in Kuba
Kuba: Castro will Totenstille vor dem Papstbesuch
Catherine Ashton zeigt sich besorgt über Anstieg kurzzeitiger Verhaftungen in Kuba
Santa Clara / Frankfurt am Main (6. Februar 2012) - Die außenpolitische Sprecherin der EU, Catherine Ashton, äußerte am vergangenen Samstag, dass die EU sehr besorgt über die erneuten Festnahmen von friedlichen Demonstranten in Kuba sei. Nach Ashton müsse es in Kuba Fortschritte in Bezug auf "völligen Respekt der zivilen und politischen Rechte der Bevölkerung geben, einschließlich der freien Meinungsäußerung". Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sieht darin eine absolut zutreffende aber sehr späte Erkenntnis der EU-Politikerin.
Wie die IGFM mehrfach berichtete, wurden Mitglieder der Gefangenenhilfsorganisation "Damen in Weiß" und anderer kubanischer Bürgerrechts- und Oppositionsbewegungen in den vergangenen Monaten immer wieder drangsaliert, unter Hausarrest gestellt, verhaftet und misshandelt. Die willkürlichen Verhaftungen von Regimegegnern sind in den vergangenen Monaten eskaliert. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, sieht in der neuen Repressionswelle gegen Bürgerrechtler und unabhängige Journalisten "den Versuch, im Vorfeld des Papstbesuche Totenstille herzustellen". Nur so glaube das Regime den Besuch Benedikts im Sinne des Machterhalts optimal nutzen zu können. "Offenbar ist sich Raul Castro sicher, dass sich Benedikt auf dieses Spiel einlasse", so Lessenthin.
Neue Angriffe, Verhaftungen und Drohungen gegen die "Damen in Weiß"
Wie die IGFM weiter berichtet wurden am vergangenen Samstag die Mitglieder der Gefangenenhilfsorganisation "Damen in Weiß" Aurora Martin Calderin, Niraida Martin Calderin und Oria Casanova Moreno in Santiago de Cuba unter Gewaltanwendung verhaftet. In Contramaestre (Ostkuba) drohten Polizisten 14 "Damen in Weiß" damit, ihre weißen Kleider zu verbrennen, Celia Rodriguez Torres, Kenia Legren Elliot und Maria Teresa Darroman Lopez wurden kurzzeitig festgenommen. In der in Ostkuba gelegenen Stadt Guantanamo wurden elf "Damen in Weiß" gestern von der Staatssicherheit in der Kirche Santa Catalina de Ricci festgehalten, Caridad Caballero Batista, Marta Diaz Rondon, Berta Segura, Gertrudis Ojeda, und Isabel Peña wurden geschlagen und ebenfalls kurzzeitig festgenommen.
Guillermo Fariñas, Yasmin Conyedo und Yusmani Alvarez immer noch in Haft
Der unabhängige Journalist und Träger des Sacharow-Preises des Europäischen Parlaments Guillermo Fariñas befindet sich seit vergangenem Samstag in Haft. Er wurde in Santa Clara verhaftet, weil er Klage gegen einen Wachmann einreichte, der ihn im Krankenhaus Arnaldo Milián brutal geschlagen und bedroht hatte. Fariñas wurde 2012 bereits viermal verhaftet, unter anderem bei einer Gedenkfeier für den kubanischen Freiheitskämpfer José Martí am 28. Januar 2012.
Yasmin Conyedo, Mitglied der "Damen in Weiß" und regimekritische Journalistin und ihr Ehemann Yusmani Alvarez wurden am 8. Januar 2012 in Santa Clara festgenommen und befinden sich seither unschuldig in Haft. Vorgeworfen wird ihnen ein Angriff auf das Haus eines Angehörigen der Kommunistischen Partei in Villaclara. Seit ihrer willkürlichen Verhaftung fordern in Kuba zahlreiche Regimekritiker und Menschenrechtsaktivisten mit Protestaktionen ihre Freilassung.
Des Weiteren kritisiert die IGFM, dass die regimekritische Bloggerin Yoani Sanchez von den kubanischen Behörden an der Ausreise nach Brasilien gehindert wurde. Das Einreisevisum aus Brasilien hatte sie bereits erhalten. "Das Vorgehen der kubanischen Behörden stellt eine Verletzung von Artikel 13 (2) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dar, der besagt, dass jeder Mensch das Recht hat, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen sowie in sein Land zurückzukehren", so die IGFM.
Quelle: IGFM