14.02.2012

Iran: Wie das Regime gegen Christen vorgeht

Einschränkungen auch für staatlich anerkannte Gemeinden

Iran: Wie das Regime gegen Christen vorgeht

Einschränkungen auch für staatlich anerkannte Gemeinden

Teheran (idea) – Im Iran gehen die Behörden unvermindert hart sowohl gegen staatlich anerkannte Kirchen wie auch gegen christliche Untergrundgemeinden vor. Von den 74,2 Millionen Einwohnern der Islamischen Republik sind 99 Prozent Muslime. Unter der christlichen Minderheit genießen vor allem die 150.000 meist orthodoxen Armenier und Assyrer staatliche Anerkennung. Hingegen werden die schätzungsweise 250.000 muslimischen Konvertiten zum christlichen Glauben geächtet. Das islamische Religionsgesetz, die Scharia, das der Rechtsordnung zugrunde liegt, bedroht den „Abfall“ vom Islam mit der Todesstrafe. Wie die Menschenrechtsorganisation Middle East Concern (Loughborough/Mittelengland) mitteilt, schränkt das Regime auch das geistliche Leben anerkannter Kirchengemeinden ein. So dürften die protestantische Immanuel-Gemeinde und die evangelische Petruskirche in Teheran freitags keine Gottesdienste in der persischen Sprache Farsi mehr abhalten; sie müssen sich ab sofort auf Armenisch beschränken. Bereits im Oktober hatte die pfingstkirchliche „Versammlung Gottes“ eine derartige Anordnung erhalten. Als Folge gebe es in Teheran am Freitag, dem Haupttag des Wochenendes, keine christlichen Gottesdienste in Farsi mehr. Zudem sei ein Gemeindeältester der Versammlung Gottes, Maasis Mosesian, am 8. Februar an seinem Arbeitsplatz ohne Angabe von Gründen festgenommen worden. Der Armenier – Vater von zwei Kindern – befinde sich wahrscheinlich im Gefängnis von Gohardasht, etwa 20 Kilometer westlich von Teheran.

Konvertitin zu zwei Jahren Haft verurteilt

Bei einer Razzia auf eine Untergrundgemeinde in der südiranischen Stadt Schiraz wurden Anfang Februar zehn Christen bei einer Gebetsversammlung festgenommen. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Am 18. Januar wurde die Christin Leila Mohammadi von einem Revolutionsgericht in Teheran zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die zum Christentum übergetretene frühere Muslimin war am 30. Juli 2011 in ihrem Haus in Teheran festgenommen worden. Zunächst saß sie in Einzelhaft im berüchtigten Evin-Gefängnis. Nach fünf Monaten wurde sie gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Ihr wurden unter anderem Propaganda, die Beleidigung heiliger Personen und die Gefährdung der nationalen Sicherheit zum Vorwurf gemacht.

Weiter Mahnwachen für zum Tode verurteilten Pastor

Weltweites Aufsehen erregt weiterhin der Fall von Pastor Youcef Nadarkhani. Der 35-jährige Leiter einer Untergrundgemeinde wurde 2010 wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nichtislamischer Lehren“ zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Urteil ist noch nicht vollstreckt, sondern liegt dem höchsten religiösen Führer und Rechtsgelehrten, Ayatollah Ali Khamenei, zur Begutachtung vor. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat mehr als 20.000 Unterschriften für Nadarkhanis Freilassung gesammelt. Seit September veranstaltet die Hamburger Ortsgruppe meist sonnabends Mahnwachen. Am Ostersamstag, dem 7. April, ist ein Ostermarsch vom Hauptabahnhof über die Mönckebergstraße zum Rathausmarkt geplant. Für Nadarkhani setzen sich auch unter anderen US-Außenministerin Hillary Clinton, der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Markus Löning (FDP), sowie die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ein.