23.02.2012
Afghanistan: Koranverbrennung gefährdet humanitäre Hilfe
Christliches Hilfswerk: Ausländische Mitarbeiter bringen sich in Sicherheit
Afghanistan: Koranverbrennung gefährdet humanitäre Hilfe
Christliches Hilfswerk: Ausländische Mitarbeiter bringen sich in Sicherheit
Kabul/Braunschweig (idea) – Gegen jegliche Bücherverbrennungen und für besondere religiöse Sensibilität in islamisch geprägten Ländern wie Afghanistan haben sich christliche Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen ausgesprochen. Anlass sind die heftigen Demonstrationen und Ausschreitungen im Land am Hindukusch, nachdem US-Soldaten wahrscheinlich gedankenlos Exemplare des Korans und andere islamische Schriften im Militärstützpunkt Bagram im Müll „entsorgt“ hatten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta und der Oberkommandierende der NATO-Truppen in Afghanistan, General John Allen, baten umgehend das afghanische Volk um Entschuldigung für den „unangemessenen Umgang“ mit religiösen Schriften. Tausende Afghanen gingen aus Protest auf die Straßen. Bei Ausschreitungen wurden mindestens sieben Menschen getötet. Die Demonstranten forderten den Abzug ausländischer Truppen und wünschten Amerika den Tod. Die radikal-islamischen Taliban riefen zur Rache an ausländischen Soldaten auf.
Bundeswehrsoldaten gut vorbereitet
Solche Demonstrationen schränken zeitweilig die humanitäre Hilfe durch Ausländer ein, sagte der deutsche Direktor des seit 1988 in Afghanistan tätigen internationalen christlichen Hilfswerks Shelter Now (Zuflucht Jetzt), Udo Stolte (Braunschweig). Wie er am 23. Februar der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage sagte, seien viele Muslime über die Schändung ihrer heiligen Schriften so aufgebracht, dass sich ihre Wut gegen alle westliche Ausländer richte. Shelter Now rate den ausländischen Mitarbeitern, in ihren Büros und Gebäuden zu bleiben. Wie Stolte betonte, habe er den Eindruck, dass die in Afghanistan eingesetzten Soldaten der Bundeswehr gut auf die kulturellen Gegebenheiten vorbereitet seien und Rücksicht auf die religiösen Gefühle von Muslimen nähmen. Stolte mahnte dazu, ihnen mit hohem Respekt vor ihrem Glauben zu begegnen. Muslime verehren den Koran als heiliges Buch. Shelter Now betreibt mit einer eigenen Organisation in Afghanistan Projekte zur medizinischen Versorgung, zur Schulbildung und zum Wiederaufbau der Landwirtschaft. Von den 29,8 Millionen Einwohnern Afghanistans sind etwa 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Christen, meist Ausländer, wird auf etwa 10.000 geschätzt.
Weder Koran noch Bibel verbrennen
Auch der Leiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Pastor Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), verurteilt Bücherverbrennungen. Das gelte sowohl für den Koran wie auch für die Bibel, sagte er gegenüber idea. Seine Organisation setzt sich besonders für verfolgte Christen ein. Koranverbrennungen hatten schon früher zu gewalttätigen Demonstrationen in Afghanistan geführt. Mindestens 16 Menschen kamen im vorigen Jahr bei Protesten gegen die Verbrennung eines Korans durch den US-amerikanischen Pastor Terry Jones (Gainesville/US-Bundesstaat Florida) ums Leben. Doch auch Bibeln werden bisweilen von extremistischen Muslimen verbrannt. Solche Aktionen werden aber kaum wahrgenommen. So hatten im Juni 2010 Sicherheitskräfte der Islamischen Republik Iran in Sardasht (Provinz West-Aserbaidschan) Hunderte Alte und Neue Testamente beschlagnahmt und verbrannt. Eine internationale Reaktion auf diese Aktion blieb aus.