28.02.2012

Syrien: Christen in der Zwickmühle

Mindestens täglich zwei Stunden Feuerpause für humanitäre Hilfe

Syrien: Christen in der Zwickmühle

Mindestens täglich zwei Stunden Feuerpause für humanitäre Hilfe

Bremen (idea) – In Syrien sollten täglich mindestens zwei Stunden lang die Waffen schweigen. Dafür plädiert der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Renke Brahms (Bremen). Eine Feuerpause in den Kämpfen zwischen Regierung und Opposition soll Hilfswerken die Möglichkeit geben, Kranke und Verletzte zu bergen sowie humanitäre Hilfe zu leisten. Brahms – im Hauptamt „Schriftführer“ (Theologischer Leiter) der Bremischen Evangelischen Kirche – bittet die Bundesregierung, sich dafür einzusetzen. Anlässlich der Dringlichkeitssitzung des UN-Menschenrechtsrates am 28. Februar rief Brahms ferner die internationale Staatengemeinschaft auf, in ihren Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe und eine friedliche Lösung des Konflikts um das Regime von Präsident Baschar al Assad nicht nachzulassen. Aber mit einer täglichen Feuerpause sei es nicht getan. Brahms: „Es darf nicht sein, dass die unterschiedlichen strategischen und politischen Interessen der internationalen Gemeinschaft Verhandlungen und eine friedliche Lösung verhindern und so zu einem blutigen und langwierigen Bürgerkrieg beitragen.“ Auch die Diakonie Katastrophenhilfe beobachtet die Lage in Syrien mit großer Sorge. Das evangelische Hilfswerk befürchtet, dass die Bevölkerung immer schonungsloser und gezielter in die Gewalthandlungen einbezogen wird. Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel (Stuttgart) fordert eine sofortige Deeskalationsstrategie. Das Hilfswerk unterstützt Vertriebene, Verfolgte und Flüchtlinge in Syrien sowie in den Nachbarländern Jordanien und Libanon.

Christen in der Zwickmühle

Seit Beginn der Aufstände gegen das sozialistische Assad-Regime im Frühjahr 2011 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 6.000 Menschen getötet worden. Von den 22,5 Millionen Einwohnern Syriens sind 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen; davon sind jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung besteht aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen. Die christliche Minderheit gerät zunehmend zwischen die Fronten. Mindestens 100 sind bereits getötet worden. Die syrischen Christen befinden sich in einer Zwickmühle: Einerseits wünschen auch sie demokratische Reformen; andererseits genossen sie relative Sicherheit unter dem seit 1963 herrschenden Regime. Ferner fürchten sie, dass ihre Lage wie in anderen Ländern des Arabischen Frühlings noch schwieriger werden könnte, wenn islamische Extremisten an die Macht kämen.