09.01.2012
Nigeria: Islamische Extremisten setzen Terror gegen Christen fort
Terrorgruppe Boko Haram macht Drohung mit Vernichtung und Vertreibung wahr
Nigeria: Islamische Extremisten setzen Terror gegen Christen fort
Terrorgruppe Boko Haram macht Drohung mit Vernichtung und Vertreibung wahr
Abuja (idea) – Im westafrikanischen Nigeria überziehen islamische Extremisten die Christen weiter mit einer Terrorwelle. Die Gruppe Boko Haram, die sich bereits zu Anschlägen mit rund 200 Toten über Weihnachten bekannt hatte, setzt ihre blutigen Angriffe fort. Seit Weihnachten kamen etwa weitere 80 Menschen ums Leben. So wurden bei einem Anschlag auf eine Gebetsversammlung in Gombe (Nordostnigeria) am 5. Januar sechs Menschen getötet und zehn verletzt. Am 6. Januar erschossen islamische Extremisten 16 Menschen in der Stadt Mubi (Nordnigeria). 16 Personen starben am 7. Januar bei einem Überfall auf eine Kirche in Yola (Bundesstaat Adamawa). Sicherheitsbeamte konnten am 8. Januar einen mutmaßlichen Anschlag gegen die mit 30.000 Gläubigen voll besetzte Kirche „Living Faith Church“ im zentralnigerianischen Barnawa verhindern. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) berichtet, hatte sich ein Autofahrer der Kirche verdächtig genähert. Als die Beamten ihn stoppen wollten, durchbrach der Fahrer die Sicherheitssperren. Der mutmaßliche Attentäter flüchtete, als aufgebrachte Kirchenbesucher das Fahrzeug mit Steinen bewarfen. In der Stadt Maiduguri (Bundesstaat Borno) griffen schwer bewaffnete mutmaßliche Anhänger von Boko Haram auf dem Markt eine Sicherheitspatrouille von Polizei und Armee an. Dabei wurden zwei Polizisten und eine Polizistin getötet.
Christlicher Repräsentant warnt vor Bürgerkrieg
Außerdem droht dem bevölkerungsreichsten afrikanischen Land ein Generalstreik, nachdem sich der Preis für Benzin verdreifacht hat. Vor einem Bürgerkrieg warnt der Vorsitzende der Christlichen Vereinigung Nigerias, der Pfingstpastor Ayodele Oritsejafor (Warri). Staatspräsident Goodluck Jonathan – ein Christ – hat den Ausnahmezustand über vier Unruheregionen verhängt. Die Polizei soll mit allen Mitteln gegen Boko Haram vorgehen. Die Gruppe, die mit dem Terrornetzwerk El Kaida in Verbindung stehen soll, droht Christen mit Vernichtung und Vertreibung. Ein Sprecher hatte sie am 2. Januar ultimativ aufgefordert, die überwiegend muslimischen Regionen im Norden des Landes binnen drei Tagen zu verlassen. Im Gegenzug sollten Muslime aus dem mehrheitlich von Christen bewohnten Süden in den Norden ziehen. Boko Haram bezeichnet sich als „Taliban Nigerias“ und will einen islamischen Gottesstaat errichten. In zwölf der 36 Bundesstaaten gilt bereits das islamische Religionsgesetz, die Scharia.
Grünen-Politiker: „Generalangriff auf die Religionsfreiheit“
Im Ausland hat die Terrorwelle scharfe Proteste ausgelöst. Von einem „Generalangriff auf die Religionsfreiheit“ spricht der Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck (Berlin). Die religiösen Autoritäten des Islam seien aufgefordert, Gewalt gegen Andersgläubige zu verurteilen. Auch müsse die Staatengemeinschaft Nigeria Hilfe bei der Bekämpfung der Boko Haram anbieten. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit, Leonard Leo (Washington). Von den 150 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.