16.01.2012
Tschechien: Kirchen sollen Eigentum zurückbekommen
Regierung bringt Milliardenentschädigung auf den Weg
Tschechien: Kirchen sollen Eigentum zurückbekommen
Regierung bringt Milliardenentschädigung auf den Weg
Prag (idea) – Mehr als 20 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft hat Tschechiens Regierung Milliardenentschädigungen an die Kirchen auf den Weg gebracht. Das Kabinett beschloss Mitte Januar ein Gesetz, wonach die Kirchen 56 Prozent ihres nach 1945 von den Kommunisten beschlagnahmten Besitzes direkt zurückbekommen sollen. Dabei geht es vor allem um Immobilien. Der Rest soll finanziell abgegolten werden. Über einen Zeitraum von 30 Jahren sollen die Kirchen umgerechnet 2,3 Milliarden Euro erhalten. Der Staat wiederum wird sich nach 17 Jahren endgültig aus der Finanzierung der Geistlichen zurückziehen – ebenfalls ein Relikt aus kommunistischer Zeit, mit dem die damaligen Machthaber die Kirchen zu kontrollieren versuchten. Die Gesetzesvorlage, von der in erster Linie die katholische Kirche profitieren würde, muss noch vom Parlament verabschiedet werden. Die Rückgabe des Eigentums an die Kirchen ist in Tschechien unpopulär: Im Dezember sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage 69 Prozent der Tschechen dagegen aus. Tschechien gehört zu den atheistischsten Ländern der Welt: 60 Prozent der 10,5 Millionen Einwohner sind konfessionslos, 27 Prozent römisch-katholisch und gut zwei Prozent evangelisch; der Rest gehört anderen Glaubensrichtungen an.