03.06.2012
Afghanistan: Britische Soldaten befreien Entwicklungshelfer
Christliches Hilfswerk Medair bestätigt glücklichen Ausgang der Entführung
Afghanistan: Britische Soldaten befreien Entwicklungshelfer
Christliches Hilfswerk Medair bestätigt glücklichen Ausgang der Entführung
Kabul/Ecublens (idea) – Befreiung in Afghanistan: Nach elf Tagen hat die Entführung von vier Mitarbeitern des in der Schweiz beheimateten christlichen Hilfswerks Medair mit Sitz in Ecublens (Schweiz) ein glückliches Ende gefunden. Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf konnten die 28-jährige britische Ärztin Helen Johnston, ihre 26-jährige aus Kenia stammende Kollegin Maragwa Oirere und zwei weitere Mitglieder eines medizinischen Hilfsteams am 2. Juni im Norden Afghanistans befreien. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge landeten britische Soldaten mit Hubschraubern in der Dunkelheit und überwältigten die mit Panzerfäusten und Sturmgewehren bewaffneten Geiselnehmer. Einige radikal-islamische Taliban und Entführer seien getötet worden. Wie der britische Premierminister David Cameron mitteilte, sei das Risiko für die Verschleppten immer größer geworden, weil sich die Taliban zunehmend eingemischt hätten. Obwohl sich die Entführung im Verantwortungsbereich der Bundeswehr in der Provinz Badachschan ereignete, waren deutsche Soldaten nicht an der Befreiungsaktion beteiligt.
Medair dankt Befreiern und Dorfgemeinschaften
Das Hilfswerk Medair bestätigte, dass die Mitarbeiter in Sicherheit seien. Das Team sei am 22. Mai während eines Besuchs von Hilfsprojekten entführt worden. „Wir sind erleichtert darüber, dass unsere Kollegen in Sicherheit gebracht wurden. Medair ist allen an der Befreiung beteiligten Parteien ausgesprochen dankbar”, so Medair-Sprecher Aurélien Demaurex. Die Mitarbeiter seien auf dem Weg zu ihren Familien. Medair bedanke sich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz und ihre Unterstützung, auch den afghanischen Dorfgemeinschaften. Laut Presseberichten waren fünf Mitarbeiter überfallen worden; einer konnte jedoch entkommen.
Ausländer „geleitet durch ihren christlichen Glauben“
Medair ist seit 1996 in Afghanistan tätig. 15 internationale und 175 einheimische Mitarbeiter engagieren sich vor allem in der Nahrungsmittelhilfe und der medizinischen Versorgung. Nach Angaben der Organisation setzen sich ihre ausländischen Mitarbeiter – „geleitet durch ihren christlichen Glauben“ – für notleidende Menschen ein. Medair ist auch in der Demokratischen Republik Kongo, Haiti, Madagaskar, Somalia, Südsudan und Simbabwe tätig. Nationale Zweige des Hilfswerks bestehen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.
Christen Opfer früherer Überfälle in Badachschan
In der Provinz Badachschan fand Anfang August 2010 der Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM) ein blutiges Ende. Zehn Mitarbeiter, darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer, wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz erschossen. Im vorigen Jahr wurden in Afghanistan zwei deutsche Entwicklungshelfer ermordet: Willi Ehret (59) und Siegbert Stocker (69). Am 5. September wurden die Leichen der beiden Christen in der Provinz Parwan aufgefunden. Vermutlich wurden sie Opfer eines Raubmords. Über 99 Prozent der 29 Millionen Afghanen sind Muslime. Seit 2009 gibt es keine öffentlich zugängliche Kirche mehr.