06.06.2012

Vietnam: „Scheinprozess“ gegen Protestanten

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisiert Justiz

Vietnam: „Scheinprozess“ gegen Protestanten

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisiert Justiz

 

Frankfurt am Main (idea) – Kritik an der Justiz im kommunistisch regierten Vietnam übt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Der Anlass: Das Berufungsgericht der Provinz Nghe An hatte am 30. Mai die mehrjährigen Haft- und Hausarreststrafen gegen zwei Christen der evangelischen Hausgemeinde „Kirche des vollen Evangeliums“ bestätigt. Die Verhandlung sei ein „Scheinprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ gewesen, und der Richter habe sein Urteil „auf Anweisung von oben“ gefällt, so die IGFM (Frankfurt am Main). Sie ruft Vietnam auf, die Religions- und Meinungsfreiheit zu respektieren und die beiden Christen umgehend und bedingungslos freizulassen. Pastor Nguyen Trung Ton sei wegen angeblicher „Propaganda gegen die Sozialistische Republik Vietnam“ zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und anschließendem zweijährigen Hausarrest verurteilt worden. Die Protestantin Ho Thi Bich Khuong müsse fünf Jahre ins Gefängnis und stehe danach ebenfalls für fünf Jahre unter Hausarrest. Der 41-jährige Pastor und die 45-jährige Christin waren am 15. Januar 2011 verhaftet worden. Ihrer Hausgemeinde wird laut IGFM trotz mehrerer Anträge die staatliche Zulassung verweigert, ihre Gottesdienste gewaltsam aufgelöst oder massiv gestört, wie zuletzt bei der Weihnachtsfeier am 24. Dezember 2011. Ton setze sich auch für andere Randgruppen und Opfer des Regimes in Vietnam ein. Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hatten beide Christen als „Gefangene des Monats“ benannt (Ton: März 2011; Khuong Februar 2012) und zu ihrer Unterstützung aufgerufen: Von den knapp 89 Millionen Einwohnern sind 52,5 Prozent Buddhisten, 23,2 Prozent Nicht-Religiöse und 9,4 Prozent Christen, meist Katholiken. 1,3 Prozent sind evangelisch. Der Rest gehört Stammes- oder Naturreligionen an.