11.06.2012

Iran: Revolutionsgarden schließen Pfingstgemeinde

Regime beschneidet christliche Gottesdienste in persischer Sprache

Iran: Revolutionsgarden schließen Pfingstgemeinde

Regime beschneidet christliche Gottesdienste in persischer Sprache

Teheran (idea) – Die Behörden der Islamischen Republik Iran verstärken den Druck, christliche Gottesdienste in der persischen Sprache Farsi zu unterbinden. Dazu versammeln sich vor allem frühere Muslime. Nach dem im Iran geltenden Religionsgesetz, der Scharia, kann der „Abfall“ vom Islam mit dem Tode bestraft werden. Die Revolutionsgarden haben jetzt die Schließung einer staatlich anerkannten Gemeinde der pfingstkirchlichen „Versammlungen Gottes“ im Teheraner Bezirk Janat-Abad angeordnet. Dort versammelten sich sonntags etwa 70 Christen zum Gottesdienst in Farsi, wie der Informationsdienst Compass Direct mitteilt. Ursprünglich war die Gemeinde in Karaj beheimatet, etwa 20 Kilometer westlich von Teheran. Dort musste sie geschlossen werden. Die Gemeindeleitung verhandelte daraufhin mit den Behörden, um ein Grundstück in Janat-Abad zu nutzen, wo Mitglieder assyrischer Abstammung wohnen. Mit der Zeit wuchs jedoch die Zahl der Farsi sprechenden Gottesdienstbesucher.

Behörden wollen Listen mit Namen und Ausweisnummer 

In Teheran gibt es noch drei staatlich anerkannte evangelische Kirchen mit Gottesdiensten auf Farsi: die Zentralgemeinde der Versammlungen Gottes, die Immanuel-Gemeinde und die Petruskirche. Freitags dürfen auch sie keine Gottesdienste auf Farsi mehr halten; sie müssen sich dann auf Armenisch beschränken. Die Leitung der Zentralgemeinde hat jetzt dem jahrelangen Begehren der Behörden nachgegeben, eine Liste ihrer Mitglieder einzureichen. Sie sollten ihre Namen und Personalausweisnummern angeben. Wie viele dieser Bitte nachgekommen sind, ist nicht bekannt. Vor allem frühere Muslime fürchten Repressionen. Ein Gemeindemitglied habe bereits seine Arbeitstelle verloren, und ein Student sei nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Unter der christlichen Minderheit genießen vor allem die 150.000 meist orthodoxen Armenier und Assyrer staatliche Anerkennung. Die Zahl der muslimischen Konvertiten wird auf 250.000 geschätzt.