12.06.2012

Christenverfolgung: Urlaub in Unterdrücker-Staaten machen?

Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche sagt ja – IGFM-Sprecher rät davon ab

Christenverfolgung: Urlaub in Unterdrücker-Staaten machen?

Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche sagt ja – IGFM-Sprecher rät davon ab

Wetzlar (idea) – Was haben die Malediven, Kuba und die Türkei gemeinsam? Diese Länder sind beliebte Urlaubsziele der Deutschen. Zugleich sind es aber auch Staaten, in denen Christen verfolgt oder diskriminiert werden. Sollte man in solchen Ländern „die schönsten Wochen des Jahres“ verbringen? Zwei Menschenrechtsexperten äußern dazu unterschiedliche Meinungen in Beiträgen für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Der Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), bejaht die Frage: „Wir regen dazu an, in Länder zu reisen, in denen Christen unterdrückt werden, und sich dabei als ‚touristische Missionare‘ zu verstehen.“ Der Auftrag Jesu Christi sei eindeutig: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!“ Müller: „Darum sollten eigentlich zehnmal mehr Christen als bislang in diese Staaten reisen und dabei Traktate, Bibeln und andere wertvolle Bücher mitnehmen.“ Der Missionsleiter berichtet über seine jüngsten Erfahrungen bei Begegnungen mit Christen in Nordafrika: „Ihre – aufgrund unseres Besuchs – strahlenden Gesichter stehen mir vor Augen. Welche Stärkung durften sie – und auch ich! – in den gemeinsamen Tagen erleben.“ Müller ruft dazu auf, die „Glaubensfackel“ bis ans Ende der Erde zu tragen – auch im Urlaub. Wichtig sei ferner, für die unterdrückte Gemeinde Jesu zu beten.

IGFM: Sich selbst und Einheimische nicht in Gefahr bringen

Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), hält es dagegen in den meisten Fällen nicht für sinnvoll, als Urlauber in Länder zu reisen, in denen Christen verfolgt werden: „Man kann als Christ nicht in Vietnam, China oder auf Kuba die Seele baumeln lassen und sich zugleich für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzen.“ Ohne Kenntnis der Landessprache sollte man keine unkalkulierbaren Risiken eingehen, rät Lessenthin. Zu groß seien die Gefahren für landesunkundige Urlauber, aber auch für diejenigen, die unterstützt werden sollen. Lessenthin zufolge sollten insbesondere evangelistische Einsätze nicht ohne Rücksprache mit Partnern vor Ort erfolgen. Das Auftreten westlicher Ausländer werde in vielen Staaten, in denen Christen diskriminiert werden, sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen. Unpassendes Verhalten verfestige vielfach „das Klischee von ‚den Christen‘ als kulturelle Bedrohung oder ‚fünfte Kolonne‘ (also heimliche Unterstützer) der ‚imperialistischen‘ USA“.

Urlaub machen, wo Christen unterdrückt werden?

In Kürze beginnt für viele die Urlaubszeit. Unter Christen wird daher diskutiert, ob man in einem Land Ferien machen darf, in dem Mitchristen diskriminiert werden – etwa an den „Traumstränden“ auf den Malediven oder im „Taucherparadies“ Ägypten?

PRO Wir regen dazu an, in Länder zu reisen, in denen Christen unterdrückt werden, und sich dabei als „touristische Missionare“ zu verstehen. Jesu Auftrag ist eindeutig: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur! Darum sollten eigentlich zehnmal mehr Christen als bislang in diese Staaten reisen und dabei Traktate, Bibeln und andere wertvolle Bücher mitnehmen! Denn: Ich bin doch nicht „nur“ Urlauber – gelebter Glaube wirkt immer ganzheitlich. Der Apostel Paulus betrachtete die Bauwerke im heidnischen Athen und fand dadurch Anknüpfungspunkte für sein Zeugnis (Apostelgeschichte 17,23). Ich möchte von ihm lernen und mein ganzes Leben zur Förderung des Evangeliums einsetzen – wie es unsere unterdrückten und bedrängten Glaubensgeschwister auch tun.

Noch wirken die Gespräche mit Geschwistern in Nordafrika und Asien auf meinen jüngsten Reisen nach. Ihre – aufgrund unseres Besuchs – strahlenden Gesichter stehen mir vor Augen. Welche Stärkung im Glauben durften sie – und auch ich! – in den gemeinsamen Tagen erleben! Oder unsere zahlreichen Gemeindebesuche in der DDR: Wie sehr haben uns (westdeutsche) Jugendliche diese Begegnungen mit den bedrängten ostdeutschen Christen ermutigt. Hätten wir diese Reisen boykottieren sollen?

Genauso wichtig ist, die unterdrückte Gemeinde Jesu nicht zu vergessen, sondern für sie zu beten! Gott kann uns zeigen, wie wir uns einsetzen können – entscheidend ist, alles zur Ehre Gottes zu tun. Dann gilt: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Gott will uns segnen, und wir dürfen ein Segen sein. Tragen wir die Glaubensfackel bis ans Ende der Erde – auch im Urlaub! Sollten Sie für Ihre Reise Bibeln oder Informationen benötigen, hilft Ihnen die HMK gerne weiter: www.verfolgte-christen.org bzw. 07556 92110.

 

(Der Autor, Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), ist Missionsleiter von HMK – Hilfe für verfolgte Christen (Hilfsaktion Märtyrerkirche) – und Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche.)

KONTRA Ist ein „normaler“ Tourismus in Ländern, in denen Christen verfolgt werden, möglich und sinnvoll? Diese Frage muss in den meisten Fällen leider mit einem entschiedenen Nein beantwortet werden: Man kann als Christ nicht in Vietnam, China oder auf Kuba die Seele baumeln lassen und sich zugleich für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzen. Deshalb sollte man ohne Kenntnis der Landessprache keine unkalkulierbaren Risiken eingehen – und ausschließen, durch seine Reise die Verfolgung womöglich sogar noch zu verschärfen.

Zu groß sind die Gefahren für einen nicht optimal vorbereiteten und landesunkundigen Urlauber. Und vor allem: Zu groß sind die Gefahren für diejenigen, die er eigentlich unterstützen möchte! Insbesondere evangelistische Einsätze sollten nicht ohne Rücksprache mit Partnern vor Ort erfolgen. Das Auftreten von westlichen Ausländern wird in vielen Staaten, in denen Christen diskriminiert werden, sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen. Unpassendes Verhalten verfestigt vielfach das Klischee von „den Christen“ als kulturelle Bedrohung oder „fünfte Kolonne“ (also heimliche Unterstützer) der „imperialistischen“ USA.

Wichtig ist bereits die Auswahl des jeweiligen Reisezieles, wenn Sie nicht mit Ihren Devisen ein Unternehmen des kubanischen Militärs oder Günstlinge der ägyptischen Familie Mubarak fördern wollen. Für jene, die sich zutrauen, angemessen mit der Problematik umzugehen, kann die heikle Situation allerdings eine Herausforderung sein. In diesem Fall ist die vorherige Kontaktaufnahme mit Landeskundigen dringend zu empfehlen. Wo Christen verfolgt werden, finden meist auch andere Menschenrechtsverletzungen statt. Wir stehen Ihnen mit Infos und Ratschlägen gerne zur Seite: www.igfm.de bzw. 069 4201080.

(Der Autor, Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), ist Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).)

Quelle: idea