13.06.2012

China: Christliche Weltorganisationen suchen bessere Beziehungen

Weltallianz trifft Religionsminister – ÖRK: Kein Visum für Ex-Regierungschef

China: Christliche Weltorganisationen suchen bessere Beziehungen

Weltallianz trifft Religionsminister – ÖRK: Kein Visum für Ex-Regierungschef

 

Peking/Nanjing (idea) – Christliche Dachorganisationen wollen ihre Beziehungen zur Volksrepublik China stabilisieren. Führende Vertreter der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) trafen mit Religionsminister Wang Xia in Peking zusammen, und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), führt erstmals eine Kommissionstagung in dem Land durch. Gleichzeitig berichtet der Informationsdienst Compass Direct unter Berufung auf das Hilfswerk China Aid (Midland/US-Bundesstaat Texas) über einen angeblichen Drei-Stufen-Plan der kommunistischen Regierung, staatlich nicht registrierte christliche Gemeinden binnen zehn Jahren unter Kontrolle zu bringen.

Wie das Regime mit Hauskirchen umgehen will

Zunächst sollen die Hauskirchen überprüft und erfasst und danach aufgefordert werden, sich der staatlich anerkannten Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung anzuschließen. Gemeinden, die sich widersetzen, sollen geschlossen werden. Die meisten Christen in der Volksrepublik versammeln sich in nicht anerkannten Hausgemeinden. Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen unter den rund 1,3 Milliarden Bürgern variieren stark: Die Regierung spricht von 24 Millionen in anerkannten Gemeinden – 18 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Andere Experten geben bis zu 130 Millionen an.

Evangelikale als „produktive Bürger“

Der Generalsekretär der WEA, Geoff Tunnicliffe (New York/USA), ihr „globaler Botschafter“ Brian Stiller (Toronto/Kanada) und der Direktor ihrer Kommission für Religionsfreiheit, Godfrey Yogarajah (Colombo/Sri Lanka), konferierten bereits am 10. Mai mit Minister Wang. Nach eigenen Angaben setzte die WEA, die rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern repräsentiert, damit einen Dialog über Themen fort, die für Christen in China und dem Rest der Welt bedeutsam sind. Man habe dem Minister in dem zweistündigen Gespräch die Glaubensgrundlagen der Evangelikalen erläutert und herausgestellt, dass sie sich als „produktive Bürger“ für das Wohl von Familien, Gesellschaft und Volk einsetzen wollen. Die WEA trete ferner für Religionsfreiheit ein. Der Gehorsam gegenüber Jesus gebiete es, dass Christen überall in Harmonie mit Menschen anderen Glaubens oder auch ohne Glauben leben. Wang brachte einer WEA-Mitteilung zufolge seine Wertschätzung für das Bestreben der Allianz zum Ausdruck, partnerschaftlich mit der Kirche in China zusammenzuarbeiten. Ihm sei eine Arbeitsbeziehung zur WEA wichtig, da sie den am schnellsten wachsenden Zweig der Christenheit repräsentiere.

China lässt Bondevik nicht ins Land

Auf Einladung des staatlich anerkannten Chinesischen Christenrats führt die ÖRK-Kommission für internationale Angelegenheiten vom 9. bis 16. Juni eine Tagung in Shanghai und Nanjing durch. Zu den Themen zählen Armutsbekämpfung, Reformen der Marktwirtschaft und das Kennenlernen der Kirchen in China. Der frühere norwegische Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik sollte die Tagung leiten. Doch der lutherische Pastor erhielt kein Einreisevisum, wie die ökumenische Nachrichtenagentur ENInews (Genf) berichtet. ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit (Genf) zeigte sich davon „überrascht und enttäuscht“. Über die Gründe wurde nichts bekannt. Bondevik vermutet, dass sie mit der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo zusammenhängen. Die Pekinger Regierung hatte sich verärgert über diese Wahl des Osloer Nobelpreiskomitees gezeigt. Bondevik war von 1997 bis 2000 und von 2001 bis 2005 Regierungschef. 2002 reiste er zu einem Staatsbesuch nach China. Damals seien die Beziehungen „ausgezeichnet“ gewesen, so der 64-jährige Christdemokrat. Dem ÖRK gehören 349 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit 560 Millionen Mitgliedern in mehr als 110 Ländern an.