16.06.2012
Ägypten: Christen wählen das „geringere Übel“
Kopten begrüßen Auflösung des radikal-islamisch dominierten Parlaments
Ägypten: Christen wählen das „geringere Übel“
Kopten begrüßen Auflösung des radikal-islamisch dominierten Parlaments
Kairo (idea) – Mit Spannung und Sorge verfolgt die christliche Minderheit in Ägypten die Präsidentschaftswahl am 16. und 17. Juni. Bei der Stichwahl stehen sich Mohammed Mursi von den Muslim-Bruderschaften und Ex-Premierminister Ahmed Schafik gegenüber. Trotz dessen Verbindung zum gestürzten Mubarak-Regime sähen ihn viele Christen als „das geringere Übel“ an, berichtet der Informationsdienst Compass Direct. Sie seien sehr besorgt über den zunehmenden politischen Einfluss radikaler bis extremistischer Muslime. Viele Christen begrüßten auch die Entscheidung des Verfassungsgerichts, das Parlament wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl aufzulösen. Für die religiöse Minderheit sei dieser Beschluss ein Zeichen der Hoffnung. Viele Christen befürchteten, dass ihr Land unter die Kontrolle islamischer Extremisten gerate. Das würde das Ende der Religionsfreiheit und den Beginn der Verfolgung von Nicht-Muslimen einläuten. Christen hätten Angst, dass die Muslim-Bruderschaft das Parlament übernehme, sagte der koptisch-orthodoxe Menschenrechtsanwalt Athanasios Williams (Kairo).
Islamisten hatten Zweidrittelmehrheit
Bei den ersten demokratischen Wahlen, die über den Jahreswechsel 2011/2012 stattfanden, hatten die Muslim-Brüder dem offiziellen Ergebnis zufolge 45,7 Prozent der Stimmen erhalten, die radikal-islamischen Parteien 24,6 Prozent. Liberale Parteien schnitten schlechter ab: Die Wafd-Partei erhielt 8,4 Prozent, die Ägyptische Allianz 6,6 Prozent. Insgesamt waren 15 Parteien im Parlament mit 508 Sitzen vertreten. Zehn Abgeordnete gehörten der christlichen Minderheit an. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind etwa zehn Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten.