07.03.2012
Deutschland: Kritik an Theaterstück
Anders als in Frankreich und Italien keine Proteste bei Premiere in Berlin - Kirchen kritisieren Theaterstück: „Handgranaten“ auf Jesusbild
Deutschland: Kritik an Theaterstück
Anders als in Frankreich und Italien keine Proteste bei Premiere in Berlin - Kirchen kritisieren Theaterstück: „Handgranaten“ auf Jesusbild
Berlin (idea) – Auf kirchliche Kritik ist das umstrittene Theaterstück „Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn“ gestoßen. Die Erstaufführung in Deutschland war am 5. März in Berliner Theater „Hebbel am Ufer“. Das Stück des Italieners Romeo Castellucci (51) zeigt vor dem Hintergrund eines überdimensionalen Jesusporträts, wie ein Sohn seinen dementen und inkontinenten Vater pflegt. Anschließend betreten Kinder die Bühne und werfen „Handgranaten“ auf das Jesusbild. Daraufhin verbrennt es symbolisch, und an Exkremente erinnernde Flüssigkeiten fließen darüber. Durch Lichteffekte erscheint abwechselnd die Aussage „You are – not – my Shepherd“ („Du bist mein Hirte“ bzw. „Du bist nicht mein Hirte“). Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte das Stück bereits vor der Aufführung scharf kritisiert. „Ich verurteile es, dass das, was Menschen aus ihrem Glauben heraus wichtig und heilig ist, in dieser Weise durch den Dreck gezogen wird“, sagte er der Bild-Zeitung „Das ist unanständig. Es gibt keinen Grund, sich etwas anzusehen, was nur der Provokation dient“, so der Kardinal. Wie die stellvertretende Pressesprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Heike Krohn, auf Anfrage von idea sagte, wird sich Bischof Markus Dröge nicht zu dem Stück äußern, da er es nicht gesehen habe. „Unabhängig von dem konkreten Theaterstück wünschen wir uns aber eine Sensibilität im Umgang mit religiösen Überzeugungen bei allem Respekt für freie Meinungsäußerung“, erklärte sie weiter. Regisseur Castellucci zufolge ist das Theaterstück keine Kritik an der Kirche: „Der Wahnsinn ist eigentlich, dass einige Vertreter der Kirche denken, sie seien Inhaber des Bildes von Jesus. Der Anblick gehört aber allen, auch denjenigen, die nicht glauben.“ Das Berliner Publikum honorierte das Stück mit Applaus. In den vergangenen Monaten hatte es bei Aufführungen in Italien und Frankreich zum Teil heftige Proteste gegeben. Nach Ansicht des Vatikans verletzt das Stück „das religiöse Empfinden der Christen“. Im November soll es in Leipzig zu sehen sein.