12.03.2012
Kuba: Gesperrte Kircheneingänge für "Damen in Weiß"
Santa Clara / Frankfurt am Main (12. März 2012) - In vielen Städten Kubas wurden am vergangenen Sonntag Kircheneingänge abgesperrt, um die Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung "Damen in Weiß" daran zu hindern, in die Kirchen zu gelangen und für die Freilassung der politischen Gefangenen zu beten. Solche Maßnahmen hatte es bisher nur in Havanna gegeben. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, hat das Castro-Regime kurz vor dem für 26. März geplanten Papstbesuch eine Offensive gegen die "Damen in Weiß" (Damas de Blanco) gestartet. "Das Castro-Regime fürchtet die Bürgerrechtlerinnen wie der Teufel das Weihwasser. Vor dem Papst-Besuch will Raul Castro jede Kritik ersticken, um sein Regime noch einmal in Szene zu setzen, kritisierte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin am heutigen Montag in Frankfurt am Main.
Wie die IGFM, die auf Kuba mit einer Menschenrechtsgruppe vertreten ist, weiter berichtet, würden sämtliche dem Regime bekannten Damen in Havanna, Santiago de Cuba, Holguin, Guantanamo, Santa Clara, Ciego de Avila und Pinar del Rio ständig überwacht. In Santa Clara, der Hauptstadt der zentralkubanischen Provinz Villa Clara, seien am Sonntag sämtliche Kirchen und deren Umgebung von Polizisten blockiert worden, um die "Damen in Weiß" von den Sonntagsmessen auszuschließen.
Belkis Toledo Rodríguez, Mitglied der Gefangenenhilfsorganisation, berichtete der IGFM, dass in Santa Clara sämtliche "Damen in Weiß" auf dem Weg zu den Kirchen festgenommen und zu nahe gelegenen Polizeistationen transportiert wurden. "Dort hielten sie uns fest, bis die Messe vorbei war. Ein Polizist erklärte, dass ab sofort keine "Damen in Weiß" mehr in Santa Clara toleriert würden", so Toledo Rodríguez.
"Damen in Weiß" in ganz Kuba bedroht und verhaftet
In der ostkubanischen Provinz Holguín wurden gestern Marta Diaz Rondon, Gertrudis Ojeda und Miladis Rosa kurzzeitig verhaftet, um sie daran zu hindern, die Sonntagsmesse zu besuchen. Caridad Caballero Batista wurde zum 12. Mal in Folge davon abgehalten, mit ihrer Familie die Messe zu besuchen und wurde unter Hausarrest gestellt. In Havanna wurde Yanelys Cabrera Bourzac in ihrem Haus verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht.
Berta Soler: "Papst soll sich auch mit Angehörigen der Opposition treffen"
Berta Soler, Sprechererin der "Damen in Weiß", ersuchte Papst Benedikt XVI. am vergangenen Wochenende erneut, während seines Aufenthaltes auch Opfer des Regimes zu treffen. "Wir bitten Benedikt XVI. dass er sich mit den "Damen in Weiß" trifft, und sollte es nur für eine Minute sein, damit wir ihm unsere Situation und die der noch inhaftierten politischen Gefangenen darlegen können", erläuterte Soler. Denn obwohl die Freiheit Kubas nicht von Papst Benedikt XVI. abhänge, käme er doch "mit einer Botschaft der Freiheit, des Friedens und der Liebe an. Das ist es, was das kubanische Volk braucht", so Soler weiter.
Die IGFM kritisiert das ängstliche und unverhältnismäßig harte Vorgehen des Castro-Regimes gegen die gewaltlose Bürgerrechtsbewegung "Damen in Weiß". "Es ist unerhört, dass Bürgerrechtlerinnen, die nichts weiter wollen, als friedlich die Sonntagsmesse zu besuchen und für die Freilassung politischer Gefangener zu beten, mit allen Mitteln von der Kirche ferngehalten werden", so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. "Die IGFM bittet Papst Benedikt XVI. um ein Zeichen der Solidarität gegenüber diesen mutigen Bürgerrechtlerinnen. Die Opfer der Diktatur und die Angehörigen der Bürgerrechtsbewegung sollten von Mutter Kirche nicht vergessen werden", so Lessenthin weiter.
Quelle: IGFM