14.03.2012

Ägypten: Sechs Millionen Ägypter leben auf Friedhöfen

Vertriebene nach dem Volksaufstand in 2011

Ägypten: Sechs Millionen Ägypter leben auf Friedhöfen

Vertriebene nach dem Volksaufstand in 2011

Missionsleiter: Die wirtschaftliche Not wird schlimmer

Kairo (idea) – In Ägypten leben rund sechs Millionen Menschen auf Friedhöfen. Darauf hat der Vizepräsident des US-amerikanischen Missionswerks E3 Partners, Tom Doyle (Plano/Texas), aufmerksam gemacht. Ursache sei die weit verbreitete wirtschaftliche Not. Der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen, die mit weniger als zwei US-Dollar (1,5 Euro) pro Tag auskommen müssen, habe 47 Prozent erreicht, sagte er dem Informationsdienst Mission Network News (Grand Rapids/US-Bundesstaat Michigan). Während des Volksaufstandes, der im vergangenen Jahr zum Sturz des seit 30 Jahren herrschenden Präsidenten Hosni Mubarak geführt hatte, seien viele Menschen vertrieben worden. Sie suchten jetzt Zuflucht auf Friedhöfen. 

Totenstadt hat 300.000 Bewohner

Traditionell beerdigen viele Ägypter ihre Toten in kleinen Häusern. Seit vielen Jahren sind diese zu Unterkünften für arme Familien geworden. Sie leben im Erdgeschoss, während in einem Keller die Toten liegen. Nach Schätzungen sind allein in der Kairoer Totenstadt Qarafa mehr als 300.000 Menschen zuhause. Doyle hat keine große Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Situation für den Großteil der 83 Millionen Ägypter verbessern wird. Es sei ferner wahrscheinlich, dass radikale Muslime mehr Macht gewönnen. Das würde die Gefahr der Verfolgung für die christliche Minderheit verschärfen, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung stellen.