14.03.2012

Iran: "Niemand wird wegen seines Glaubens hingerichtet"

Genf (idea) – Der Iran bestreitet, dass einem evangelikalen Pastor die Hinrichtung droht. Allerdings bestätigte ein Vertreter der Islamischen Republik, dass der 34-jährige Youcef Nadarkhani wegen religiöser Vergehen verurteilt worden sei.

Iran: "Niemand wird wegen seines Glaubens hingerichtet"

Genf (idea) – Der Iran bestreitet, dass einem evangelikalen Pastor die Hinrichtung droht. Allerdings bestätigte ein Vertreter der Islamischen Republik, dass der 34-jährige Youcef Nadarkhani wegen religiöser Vergehen verurteilt worden sei.

Er habe eine Kirche ohne staatliche Genehmigung gebaut, vor Minderjährigen ohne Zustimmung der Eltern gepredigt und den Islam beleidigt, erklärte Mohammed-Javad Laridschani am 12. März vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Laut Presseberichten reagierte er auf die Forderung des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte im Iran, des früheren Außenministers der Malediven Ahmed Shaheed, Nadarkhani freizulassen. Für den laut Menschenrechtsorganisationen zum Tode verurteilten Geistlichen setzen sich weltweit über eine Million Menschen ein. Der Unterstützerkreis reicht bis in höchste politische Kreise: US-Außenministerin Hillary Clinton, Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der Fraktionschef der Union im Bundestag, Volker Kauder, der Petitionsausschuss des Bundestags sowie der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Markus Löning (FDP). Neben anderen Kirchenleitern hat auch der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), zum Gebet für Nadarkhanis Freilassung aufgerufen.

Pastor schwört seinem Glauben nicht ab

Der Pastor einer etwa 400 Mitglieder zählenden Untergrundgemeinde bekehrte sich im Alter von 19 Jahren vom Islam zum Christentum. Im September 2009 wurde er verhaftet und ein Jahr später wegen „Abfalls vom Islam“ zum Tode verurteilt. 2011 wurde das Urteil aufgehoben und an eine niedrigere Instanz zurückverwiesen. Während der Neuverhandlung lehnte es Nadarkhani ab, seinen christlichen Glauben zu widerrufen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. In der Islamischen Republik Iran ist das Religionsgesetz Scharia Grundlage der Rechtsprechung. Sie sieht die Todesstrafe für den „Abfall vom Islam“ vor. Doch dies verstößt gegen internationale Menschenrechtsabkommen, die auch der Iran unterzeichnet hat.

Keine Rede von Vergewaltigung mehr

Iranischer Vertreter: Warum sollten wir so empfindlich reagieren?

Wie Laridschani vor dem UN-Menschenrechtsrat weiter erklärte, sei in den 33 Jahren seit der Iranischen Revolution noch niemand in seinem Land wegen eines Glaubenswechsels hingerichtet oder verfolgt worden. Hunderte Anhänger anderer Religionen wendeten sich dem Islam zu: „Warum sollten wir dann so empfindlich reagieren, wenn einige wenige aus dem Islam ihre Religion wechseln?“ Im Iran bestünden auch einige Synagogen und Kirchen. Es gebe keinen Anlass, den Islam herabzuwürdigen oder zu beleidigen.

Iran-Beobachter machen darauf aufmerksam, dass die Behörden offenbar jetzt einräumen, dass Nadarkhani aus Glaubensgründen in Haft ist. Früher sollte er sich nach offizieller Lesart unter anderem der Vergewaltigung und Erpressung schuldig gemacht und die nationale Sicherheit gefährdet haben. Die iranische Botschaft in Berlin teilte im vorigen Oktober in einer Presseerklärung mit, der Pastor habe „mit Methoden, die mit denen der christlichen Geistlichen nicht im Einklang stehen und durch Erregung von Aufruhr und Streit an für die Öffentlichkeit zugänglichen Orten (z.B. in Schulen) versucht, andere zu seinem Glauben zu bekehren“. Damit spielte die Botschaft offenbar auf Nadarkhanis Proteste gegen den islamischen Pflichtunterricht für seine beiden Kinder an. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.