22.03.2012
Islamische Republiken: IGFM-Pressekonferenz
"Christen - Opfer religiös motivierter Gewalt" Pressekonferenz am 21. März 2012 in Düsseldorf
Islamische Republiken: IGFM-Pressekonferenz
"Christen - Opfer religiös motivierter Gewalt" Pressekonferenz am 21. März 2012 in Düsseldorf
In Düsseldorf informierte die IGFM am 21. März 2012 über die Verfolgung von christlichen Konvertiten in der Islamischen Republik Iran, Übergriffe und Mordanschläge auf Christen in Nord-Nigeria und die aktuelle Situation der christlichen Minderheit in Ägypten. Im Anschluss an die Pressekonferenz veranstaltete die IGFM in der Düsseldorfer Innenstadt eine Mahnwache, um auf Christenverfolgung hinzuweisen.
Die Referenten waren: Mahin Mousapour, Pastorin einer evangelischen Konvertiten-Gemeinde in Deutschland; Dr. Emanuel Ogbunwezeh, Nigeria-Experte der IGFM; Abuna Gewied Ghaly Tawadros, Pastor einer koptisch-orthodoxen Gemeinde in Düsseldorf und Martin Lessenthin, Sprecher des Vorstands der IGFM.
Berichte von der Pressekonferenz:
Menschenrechtler: Gewalt gegen Christen verschärft sich
Düsseldorf (KNA) Die Gewalt gegen Christen in arabischen und afrikanischen Ländern hat sich nach Erkenntnissen von Menschenrechtsexperten weiter verschärft. Im Iran habe die Zahl der Einschüchterungen von christlichen Konvertiten und Hausgemeinden zugenommen, erläuterte der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, am Mittwoch vor Journalisten in Düsseldorf. Gegenwärtig finde eine Verhaftungswelle in mehreren iranischen Großstädten statt. Teilweise würden ganze Gruppen festgenommen. Daneben komme es zu Bibelverbrennungen.
Auch in Nigeria nimmt die Zahl der Anschläge gegen Christen durch die Terrorgruppe Boko Haram (übersetzt «Westliche Bildung ist Sünde») nach den Angaben zu. Das Land habe noch nie «so eine rasant eskalierende Vernichtung von Menschen und Strukturen durch gezielte Angriffe auf Christen erlebt», sagte der IGFM-Afrikareferent Emmanuel Ogbunwezeh. Allein in den vergangenen zwei Jahren seien mehr als 3.000 Christen dem Terror zum Opfer gefallen. Hunderttausende hätten ihre Wohnungen verloren und seien auf der Flucht.
Der Experte warnte vor einer Fehleinschätzung von Boko Haram. Diese Gruppe wandele sich derzeit. Aus einer fundamentalistisch-religiösen Bewegung, die für die Einführung der Scharia kämpfe, werde eine multiple Gruppe mit religiös-extremen sowie politischen und kriminellen Zielen. Ihr stehe der Staat Nigeria offenbar machtlos gegenüber. Bislang sei beispielsweise noch niemand wegen Tötung von Christen vor Gericht angeklagt worden. Es sei Aufgabe der Staatengemeinschaf, die nigerianische Regierung bei der Bekämpfung der Terroristen zu unterstützen.
Im Fall des Iran forderte die IGFM die Bundesregierung und die Vereinten Nationen auf, angesichts des Konflikts um das Atomprogramm des Landes das Thema Menschenrechte nicht aus den Augen zu verlieren. Die Politik müsse deutlich gegen Christenverfolgungen protestieren. Stille Diplomatie habe im Iran ihr Ziel verfehlt. Die Menschenrechtsexperten verwiesen zudem auf Bestrebungen in Ägypten hin, die Amputationsstrafe einzuführen. Zwar sei ein entsprechender Antrag im Parlament am Dienstag abgewiesen worden. Dieser solle aber neu eingebracht werden.
Die Lage in Ägypten ist derzeit nach Einschätzung des Pfarrers der koptisch-orthodoxen Gemeinde in Düsseldorf, Gewies Tawadros, von Gesetzlosigkeit und Willkür bestimmt. Es gebe nach dem Fall des Regimes Mubarak keine Kraft, die der Anarchie Einhalt gebiete. Als Beispiel nannte er die Verurteilung eines Priesters wegen angeblicher Verletzung von Bauvorschriften bei der Errichtung einer Kirche und die Haftstrafe gegen einen Lehrer, der das Verschleierungsgebot für Frauen gegenüber christlichen Mädchen nicht durchsetzen wollte. «Die Zeichen der Zeit für die Kopten in Ägypten stehen auf Untergang», so Tawadros. Um auf die Verfolgung von Christen weltweit aufmerksam zu machen, will die IGFM nach eigenen Angaben 2012 rund 100 Mahnwachen in deutschen Städten durchführen. Aktionen finden unter anderem in allen Landeshauptstädten statt. In Düsseldorf war für Mittwochnachmittag eine Mahnwache am Heinrich-Heine-Platz geplant.
Quelle: IGFM