23.03.2012
USA: Nordamerikanische Kirchen leiden unter der Rezession
New York (idea) – Kirchen in Nordamerika bekommen die Finanz- und Wirtschaftskrise heftig zu spüren. Die Beiträge und Kollekten von annähernd 45 Millionen Gemeindemitgliedern sanken im vorigen Jahr um 1,2 Milliarden US-Dollar (910 Millionen Euro) auf 29 Milliarden Dollar (22 Milliarden Euro).
Das geht aus dem Jahrbuch der Kirchen und religiösen Sondergemeinschaften in Nordamerika hervor, das der Nationale Kirchenrat (New York) am 20. März veröffentlicht hat. Darin werden die Statistiken von 228 Kirchen und Religionsgemeinschaften in den USA aufgeführt, die zusammen 145,7 Millionen Mitglieder haben. Zwar hätten nicht alle Kirchen ihre Einkünfte bekanntgegeben, aber der Rückgang um 2,2 Prozent gebe den allgemeinen Trend wieder, erklärte die Herausgeberin des Jahrbuchs, Eileen Lindner. Die finanziellen Einbußen seien Folge der hohen Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise. In Nordamerika gibt es keine Kirchensteuer; Kirchen und Gemeinden finanzieren sich durch freiwillige Beiträge und Spenden ihrer Mitglieder.
Pfingstkirchen und Sondergemeinschaften wachsen
Bei den Mitgliederzahlen setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: Wachsende Kirchen legen erneut zu, schrumpfende verlieren weiter Mitglieder. Zu den wachsenden zählen vor allem Pfingstkirchen wie die „Versammlungen Gottes“, die sich um fast vier Prozent auf jetzt drei Millionen Mitglieder steigerten. Auch die Sondergemeinschaften wuchsen weiter – so die Zeugen Jehovas mit einem Plus von 1,85 Prozent auf 1,2 Millionen Mitglieder und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent auf 6,2 Millionen Mitglieder.
Die größten Kirchen stagnieren
Die größten Kirchen in den USA stagnieren weitgehend. So blieb die römisch-katholische Kirche mit 68,2 Millionen (+0,4 Prozent) Mitgliedern fast auf gleichem Niveau. Das gilt auch für die größte protestantische Kirche, den theologisch konservativ geführten Bund der Südlichen Baptisten, der um annähernd 0,2 Prozent auf 16,1 Millionen Mitglieder sank.
Starker Rückgang bei Lutheranern
Die größten Verluste mussten die meist theologisch liberalen Traditionskirchen hinnehmen. Um annähernd sechs Prozent schrumpfte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (4,3 Millionen Mitglieder). Die reformierte Presbyterianische Kirche USA verzeichnete ein Minus von fast 3,5 Prozent (2,7 Millionen); die anglikanische Episkopalkirche ging um 2,7 Prozent (1,9 Millionen) zurück, die Vereinigte Kirche Christi um zwei Prozent (1 Million) - sie steht in Kirchengemeinschaft mit der deutschen Union Evangelischer Kirchen (UEK) - und die Evangelisch-methodistische Kirche um 1,2 Prozent (7,7 Millionen). Aber auch die theologisch konservative Lutherische Kirche – Missouri Synode verlor fast 1,5 Prozent (2,3 Millionen). Sie ist mit der deutschen Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirchengemeinschaft verbunden.