25.03.2012

Deutschland: Orthodoxe Kirchen rücken enger zusammen

Deutschlands drittgrößte Konfession: 1,4 Millionen Kirchenmitglieder

Deutschland: Orthodoxe Kirchen rücken enger zusammen

Deutschlands drittgrößte Konfession: 1,4 Millionen Kirchenmitglieder

Stuttgart (idea) – Die orthodoxen Kirchen in Deutschland wollen sich stärker als drittgrößte christliche Konfession des Landes profilieren. Bisher geschieht die Zusammenarbeit von zehn orthodoxen Kirchen mit insgesamt rund 1,4 Millionen Mitgliedern vor allem in der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, deren Vorsitzender der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos (Bonn) ist. Neben den griechischen gibt es auch orthodoxe russische, serbische, bulgarische, rumänische und ukrainische Gemeinden in Deutschland. Bei ihrer Frühjahrstagung in Stuttgart beschlossen die Bischöfe, dass an allen Orten mit mehreren orthodoxen Pfarreien lokale orthodoxe Pfarrkonferenzen entstehen sollen. Gemeinsame Anliegen seien beispielsweise die Weitergabe des Glaubens an die junge Generation sowie die Sozial-, Bildungs- und Jugendarbeit. In Stuttgart sei die Kooperation bereits fortgeschritten. Hier gebe es ein orthodoxes Gräberfeld auf einem städtischen Friedhof sowie eine orthodoxe Station in einem Altenheim. Von den rund 560.000 Einwohnern der baden-württembergischen Landeshauptstadt gehören etwa 50.000 zu einer orthodoxen Kirche. 160.000 Stuttgarter sind evangelisch, 140.000 katholisch. Alle evangelischen Landeskirchen zusammen haben in Deutschland knapp 24 Millionen Mitglieder, die katholischen Diözesen etwa 24,6 Millionen Mitglieder.

Für einen flächendeckenden orthodoxen Religionsunterricht 

Für vordringlich hält die Bischofskonferenz die Einführung eines flächendeckenden orthodoxen Religionsunterrichts an allgemeinbildenden staatlichen Schulen. Bisher gibt es ihn an einigen Schulen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Hessen. Der Religionsunterricht wird von Lehrern erteilt, die hauptsächlich an den Universitäten in München und Münster ausgebildet wurden, die Situation der orthodoxen Kirche in Deutschland verstehen und die Lebenswirklichkeit ihrer Schüler gut kennen. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg laufen Verhandlungen mit den Kultusministerien. Die Bischofskonferenz appelliert an Pfarrer und Eltern, sich vor Ort für einen orthodoxern Religionsunterricht einzusetzen. Bei der Wertevermittlung habe der Religionsunterricht eine wesentliche Aufgabe. „Wir können auf den schulischen orthodoxen Religionsunterricht nicht verzichten, wenn wir erreichen wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen der Kirche und dem Glauben nicht verloren gehen beziehungsweise dass sie auf eine folkloristische Besonderheit ihrer nationalen Herkunft reduziert werden“, heißt es in einem in Stuttgart bekräftigten „Hirtenbrief“ der Bischöfe.