26.03.2012
Afrika und Asien: Die Kirchen überrunden Europa und Nordamerika
Christenheit: Im Norden nichts Neues?
Afrika und Asien: Die Kirchen überrunden Europa und Nordamerika
Christenheit: Im Norden nichts Neues?
Manila (idea) – Die klassischen Missionsländer im Süden der Erde stellen inzwischen fast zwei Drittel der gesamten Christenheit und das „Abendland“ nur noch ein Drittel. Trotzdem ist eine Partnerschaft in der Mission zwischen den Kirchen im Süden und Norden nötiger denn je. Das betonten afrikanische und asiatische Teilnehmer einer Konferenz des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), die vom 22. bis 27. März in Manila (Philippinen) stattfindet. Die 220 Teilnehmer sollen eine neue Erklärung zu Mission und Evangelisation vorbereiten, die im kommenden Jahr bei der ÖRK-Vollversammlung in Busan (Südkorea) verabschiedet werden soll. „Das Wachstum der Christenheit auf der südlichen Erdhalbkugel ist das Ergebnis der erfolgreichen Missionsarbeit des Nordens“, sagte Pastor Opoku Onyinah vom pfingstkirchlichen Bibelseminar in Ghana. Die Bedeutung, die die Pfingstkirchen den persönlichen Glaubenserfahrungen mit dem Heiligen Geist zumessen, habe ebenfalls dazu beigetragen, dass viele Kirchen in Afrika wachsen. Der Norden brauche Missionare aus dem Süden, aber auch die Kirchen des Südens seien weiter auf Partnerschaft angewiesen. Dies gelte besonders für die theologische Ausbildung; hier mangele es noch vielen Kirchen im Süden, sagte Onyinah der Nachrichtenagentur ENInews (Genf).
Bald jeder fünfte Christ aus Nordamerika und Europa?
Von den 2,3 Milliarden Christen leben rund 60 Prozent im Süden und 40 Prozent im Norden. Wenn das Wachstum auf der Südhalbkugel und der Rückgang im Norden anhält, wird nach Berechnungen von Religionsstatistikern bis Mitte des Jahrhunderts der Anteil der europäischen und nordamerikanischen Christen auf etwa 20 Prozent sinken. Die Pfingstkirchen und die charismatische Bewegung sind seit ihrem Entstehen vor etwa einem Jahrhundert mit inzwischen etwa 500 Millionen Anhängern auf fast die gleiche Zahl gewachsen wie die 560 Millionen Mitglieder der 349 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen, die dem ÖRK angehören.
Mission, Ökologie, Gerechtigkeit
Der ÖRK hat zuletzt vor 30 Jahren eine offizielle Erklärung zu Mission und Evangelisation veröffentlicht. Inzwischen habe sich die Lage erheblich verändert, erklärte der Schriftführer der ÖRK-Kommission für Mission und Evangelisation, Jooseop Keum (Genf). In der neuen Erklärung sollen einer ÖRK-Mitteilung zufolge auch soziale und ökologische Belange sowie die Themen Gesundheit und Heilung, Migration und wirtschaftliche Globalisierung aufgenommen werden. Das Bezeugen des christlichen Glaubens gegenüber Nichtchristen solle von Demut und Respekt geprägt sein. Die Vertreterin der Weltweiten Evangelischen Allianz, Rosalee Velloso Ewell (Birmingham), sprach sich dafür aus, evangelistische Verkündigung nicht vom Streben nach sozialer Gerechtigkeit zu trennen. Die WEA repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale.