29.03.2012

Ägypten: Wertet die künftige Verfassung den Islam auf?

Protest gegen Einfluss radikaler Muslime in verfassungsgebender Versammlung

Ägypten: Wertet die künftige Verfassung den Islam auf?

Protest gegen Einfluss radikaler Muslime in verfassungsgebender Versammlung

Kairo (idea) – In Ägypten haben die Beratungen über eine neue Verfassung begonnen, die auch das Verhältnis von Staat und Religion regelt. Wahrscheinlich wird das islamische Religionsgesetz, die Scharia, einen höheren Stellenwert bekommen. Unter Protesten nahm der Verfassungskonvent am 28. März in Kairo seine Arbeit auf. Hunderte Bürger demonstrierten gegen einen zu großen Einfluss radikaler Muslime und des Militärs. 25 linke und liberale Mitglieder des Konvents blieben den Beratungen aus Protest gegen einen zu großen Einfluss der Muslim-Bruderschaft und der extremistischen Salafisten fern. Knapp 70 der 100 Mitglieder des Gremiums werden dem radikal-islamischen Lager zugerechnet. Dem Konvent gehören fünf Christen an. Vorsitzender ist Parlamentspräsident Saad al Katatni von der Muslimbruderschaft. Die bisher als gemäßigt geltende Gruppierung hatte bei den Parlamentswahlen 45,7 Prozent der Stimmen erhalten, die radikal-islamischen Parteien 24,6 Prozent. Liberale Parteien schnitten schlechter ab: Die Wafd-Partei erhielt 8,4 Prozent, die Ägyptische Allianz 6,6 Prozent. Insgesamt sind 15 Parteien im Parlament vertreten. Zehn Abgeordnete gehören der christlichen Minderheit an.

Präsident aus der Muslim-Bruderschaft?

Die neue Verfassung soll bis zur Präsidentschaftswahl Ende Mai geschrieben, öffentlich diskutiert und mit einer Volksabstimmung verabschiedet werden. Noch ist unklar, wer als Bewerber für das höchste Staatsamt antritt. Die Muslim-Bruderschaften rücken anscheinend von ihrer ursprünglichen Absicht ab, keinen eigenen Kandidaten aufstellen zu wollen. Generalsekretär Amr Darrag sagte der Londoner Zeitung The Times, keine der Personen, die im Gespräch seien, erfülle die Kriterien seiner Bewegung. „Es gibt viele qualifizierte Leute in der Bruderschaft“, fügte Darrag hinzu. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind etwa zehn Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten. Sie haben auch nach dem politischen Umschwung unter Übergriffen islamischer Extremisten zu leiden. Etwa 100.000 Kopten haben aus diesem Grund im vorigen Jahr das Land verlassen.