08.05.2012

China: Regierung will Auflösung von Hauskirchen

Jede Gemeinde wird aktenkundig

China: Regierung will Auflösung von Hauskirchen

Jede Gemeinde wird aktenkundig

(Open Doors) - In China sollen Hauskirchen keine Zukunft haben. Denn statt auf Anerkennung setzt die Regierung fortan auf Ausmerzung: Protestantische Hausgemeinden sollen unter staatliche Kontrolle gebracht oder aufgelöst werden. So sieht es eine 3-Phasen-Kampagne vor, die im vorigen September auf einer Schulung für "Patrioten in der christlichen Gemeinschaft" vom staatlichen Amt für religiöse Angelegenheiten (SARA) veröffentlicht wurde. Das berichtete der Informationsdienst Compass Direct unter Berufung auf die Organisation China Aid Association (CAA). "Seit Anfang 2012 beobachten wir eine Zunahme der Verfolgung", hieß es in einer CAA-Pressemitteilung vom 20. April. "Zusätzlich zur andauernden Verfolgung der Shouwang-Hauskirche in Peking ist die Zahl ähnlicher Fälle gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Sie hat sich auf andere Bereiche, darunter christliche Ausbildung und Publikationen sowie christliche Buchläden ausgeweitet.“

Strategie der Anpassung und Vernichtung

In dem Aktionsplan werden kommunale Behörden aufgefordert, zunächst von Januar bis Juni dieses Jahres landesweit Hauskirchen genau zu überprüfen und jeweils eine Akte anzulegen. In Phase 2 sollen Behörden innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre nicht-registrierte Hauskirchen eindringlich auffordern, sich der staatlich anerkannten "Drei-Selbst-Patriotischen-Kirche" (TSPM) anzuschließen. Phase 3 soll innerhalb von zehn Jahren abgeschlossen werden. Sie hat die Auflösung widerstrebender Hauskirchen zum Ziel. Weiter soll der Begriff "Hauskirche" auf Internetseiten und in anderen Medien sowie Berichte über Hauskirchen geblockt bzw. durch den Begriff "häusliche Versammlungen" ersetzt werden - eine Bezeichnung, die üblicherweise auf Zusammenkünfte an Versammlungsorten hinweist, die der TSPM angegliedert sind. (Foto Shouwang-Gemeinde: CAA)

Hausgemeinden spüren Phase 1

Inwiefern der Aktionsplan bereits greift, recherchierten CAA-Informanten jüngst stichprobenartig bei Hausgemeinden in verschiedenen chinesischen Provinzen. Das Ergebnis: Über 95 Prozent der befragten Gemeindeleiter spüren schon jetzt die Auswirkungen der Ermittlungen. 85 Prozent gaben an, das örtliche Religionsamt habe bereits eine Akte über ihre Hausgemeinde angelegt.