14.05.2012

Griechenland: Kirchen sollen Solidarität zeigen

Metropolit Augoustinos: Tausende sind auf Suppenküchen angewiesen

Griechenland: Kirchen sollen Solidarität zeigen

Metropolit Augoustinos: Tausende sind auf Suppenküchen angewiesen

Athen/Bonn (idea) – Zur Solidarität mit den Griechen hat das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Metropolit Augoustinos (Bonn), aufgerufen. Finanzielle und geistliche Hilfe aus Europa wäre angesichts der großen materiellen und seelischen Not sehr hilfreich, sagte der Erzbischof am 14. Mai auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Unter den staatlichen Sparmaßnahmen zur Abwendung des Staatsbankrotts leiden viele Griechen; Hunderttausende haben ihre Arbeitsplätze verloren oder müssen tiefe Einkommenseinschnitte hinnehmen. Die Kirche versucht unter anderem mit Suppenküchen, die akute Not zu lindern. In Athen werden täglich 10.000 Mahlzeiten ausgegeben plus monatlich etwa 3.000 Lebensmittelpakete für bedürftige Familien. An der ökumenischen Aktion „Kirche auf der Straße“ beteiligen sich die orthodoxe und die anglikanische Kirche sowie einige afrikanische Pfingstgemeinden.

Griechen in Deutschland sammeln für Notleidende

Wie Augoustinos weiter sagte, sei die orthodoxe Kirche Griechenlands – anders als oft in Medien dargestellt – nicht reich, sondern im Vergleich zu Deutschland arm. Der Staat habe die Priestergehälter auf etwa 800 Euro pro Monat gekürzt; davon könne man kaum eine Familie ernähren. In Deutschland hätten die rund 80 griechisch-orthodoxen Hauptgemeinden mit etwa 450.000 Mitgliedern eine Sammlung für Griechenland durchgeführt; die Summe sei ihm noch nicht bekannt, teilte der Metropolit mit.

Werteverfall führte zur Finanzkrise

Die orthodoxe Kirche in Griechenland unter Leitung von Erzbischof Hieronymos II. helfe den Bedürftigen nicht nur materiell, sondern auch seelsorgerlich und geistlich. Sie „umarme“ die Menschen, so Augoustinos. Die Ursache der finanziellen und politischen Krise in Griechenland und ganz Europa sieht der Metropolit in einem Verfall geistiger, geistlicher und moralischer Grundlagen, die im christlichen Glauben wurzelten. Es fehle an einer „Vision“ für Europa; alles drehe sich nur um den Euro.

Evangelische Allianz: Mehr Selbsttötungen

Der Generalsekretär derGriechischen Evangelischen Allianz, Fotis Romeos (Athen), betont in Interneteinträgen, dass es gerade in dieser kritischen Zeit wichtig sei, den Missionsauftrag zu erfüllen. Viele Bürger seien verzweifelt. Seit 2008 hätten sich rund 2.000 Griechen das Leben genommen, weil sie keinen Ausweg gesehen hätten. Senioren litten beispielsweise darunter, dass sie ihren Enkeln „mit leeren Händen“ gegenübertreten müssten. Andere fürchteten den letzten Tag ihrer Erwerbsarbeit. Wegen häufiger Streiks könnten Kranke nicht behandelt werden. Auch Läden seien oft geschlossen. Von den 11,3 Millionen Griechen sind etwa 91,5 Prozent Mitglied einer Kirche, 5,8 Prozent Muslime und der Rest meist Nicht-Religiöse. Unter den Kirchenmitgliedern stellen die Orthodoxen mit fast 92 Prozent den Löwenanteil. Der Anteil der Katholiken beträgt 1,5 Prozent; die übrigen sind Protestanten unterschiedlicher Denominationen.