16.05.2012

Ägypten: Zugattentäter verurteilt

Am Montag, den 14. Mai 2012, gab das Gericht in Minya die Strafe für die Tötung eines Kopten und die schwere Körperverletzung an fünf anderen bekannt: Todesstrafe. Was war geschehen ?
Am 10. Januar 2012, gegen 17.00 Uhr bestieg der Polizist Amer Aschur Abdel-Saher den Zug von Assiut nach Kairo in Samalut und begann in der Folge damit, in den Abteilen gezielt nach Kopten Ausschau zu halten. Diese haben zumeist eine Kreuz-Tättowierung an den Hangelenken. Dieses Tatto suchte Abdel-Saher bei den Mitreisenden.

Nach Augenzeugenberichten stieß er dabei auf eine sechsköpfige Gruppe koptischer Christen, die zusammensaß und angeblich sogar Hymnen sang. Sofort soll er das Feuer auf diese Gruppe eröffnet haben. Selbstverständlich nicht, ohne das unvermeidliche “Allahu Akbar” dabei gerufen zu haben. (Das eben nicht “Allah ist groß” bedeutet, sondern “Allah ist größer”, in diesem Falle “größer, als der, dem ihr da Hymnen singt”.)  Der 71 – jährige Fathy Gattas, der während der Fahrt eingeschlafen war und sich nicht wehren konnte, starb noch am Ort des Geschehens. Alle anderen, darunter die Frau des Getöteten, wurden schwer verwundet und mussten später in Krankenhäuser eingewiesen werden.

Das durch diesen Vorfall peinlich berührte Innenministerium (nochmal: Der Täter war Polizist.) versuchte in der Folge der Ereignisse, die offensichtlich religiös motivierte Tat zu relativieren. Abdel-Saher sei “mental instabil” gewesen und habe “wahllos” auf die Passagiere des Zuges geschossen. Außerdem sei er ohnehin zum Zeitpunkt der Tat in ärztlicher Behandlung gewesen. Offensichtlich folge das Gericht in Minya dieser Argumentationslinie aber nicht so recht.

Koptische Aktivisten sind deshalb auch überrascht. Der koptische Aktivist Mark Ebeid sagte dazu:

"Dieses Schema wurde im Fall Fathy Gattas, bzw. Amer Aschur Abdel-Saher, durchbrochen. Mina Yacoub von der koptischen Masbiro Jugend – Föderation ist jedoch skeptisch, was die Hintergründe dieser Entscheidung angeht. Es bestehe sehr wohl die Möglichkeit, dass dieses Urteil angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen für “gute Stimmung” der koptischen Wähler sorgen solle, um deren schwere Bedenken gegen die radikalislamischen Kandidaten abzuschwächen oder gar um ihre Wahlstimmen zu gewinnen."

Quelle: aina.org” vom 15. Mai 2012 aus Berliner Gebetskreis