16.05.2012
Sudan (Süd Darfur): Regierung schließt christliche Büros
JUBA, Südsudan, 14.5.2012 (CDN). Sicherheitskräfte der Republik Sudan haben in Nyala, der Hauptstadt der Provinz Süd- Darfur, zwei Büros schließen lassen. Geschlossen wurden das Büro des ‚Sudanesischen Rates der Kirchen‘ (SCC) und das Büro der Hilfsorganisation ‚Sudan Aid‘. Die Regierung gab keine Erklärung zu diesem Schritt ab. Dies meldet Compass Direct News (CDN) am 14.Mai.
Sicherheitsbeamte des Sudanesischen Nationalen Geheimdienstes NISS erschienen am 22. April um 8 Uhr morgens beim Büro des SCC in Nyala, befahlen die Herausgabe der Gebäudeschlüssel, der Fahrzeugschlüssel und ordneten an, dass die Mitarbeiter sofort das Grundstück verlassen sollten. Eine Erklärung wurde nicht gegeben. Dies gab ein Mitarbeiter des SCC an.“Sie kamen früh am Morgen zu unserem Büro, nahmen alle Gebäudeschlüssel an sich und jagten uns vom Hof”, so der Mitarbeiter des SCC in einem Telefonat mit Compass.Drei Mitarbeiter von ‘Sudan Aid’ wurden im Zuge der Schließung verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht, gab der Zeuge abschließend an. „Ihre Familien quälen sich mit der Frage, was aus ihren Angehörigen geworden ist”.
Sicherheitskräfte des NISS schlossen außerdem eine Klinik, die unter der Leitung der Kirche stand und den Bedürftigen der Gegend half.Die Aktionen der Regierung stehen in Zusammenhang mit der wachsenden Meinung, dass das Christentum einen fremden Glauben darstellt, der aus dem Sudan entfernt werden muss. Der Sudan hat nach der Unabhängigkeit des Südsudan damit begonnen, ethnische Südsudanesen aus dem Norden in den Süden abzutransportieren. Geschätzte 350.000 Südsudanesen leben im islamisch geprägten Norden, viele von ihnen haben niemals anderswo gelebt. Am Tage nach der Schließung der Büros kamen die Mitarbeiter wie gewohnt zur Arbeitsstelle, nur um mehr als ein Dutzend Sicherheitskräfte anzutreffen, die, teils bewaffnet, das Gelände abriegelten. Den Angestellten wurde gesagt, dass die Büros geschlossen seien und sie nach Hause gehen sollten.In einer Presseerklärung gab der SCC an, dass die Sicherheitskräfte die Schlüssel von fünf Fahrzeugen genommen hätten und mit ihnen fortgefahren seien. Drei Motorräder wurden ebenfalls konfisziert.„Wo die Fahrzeuge hingekommen sind, wissen wir nicht“ gaben die Offiziellen des SCC in der Erklärung an.Am 24. April wurden die Bankkonten der SCC in Nyala eingefroren. Die humanitäre Hilfskommission des Sudan zeichnet dafür verantwortlich. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten auch vier Autos und fünf Motorräder der Hilfsorganisation ‚Sudan Aid‘. Fünf Mitarbeiter wurden festgesetzt, zwei von ihnen später jedoch wieder frei gelassen.
Die Quellen gaben Compass gegenüber an, dass der Vorfall die Kirchen in der Provinz Süd Darfur zutiefst beunruhige und ängstige. Die Provinz Süd-Darfur ist eine von fünf Provinzen, die gemeinsam die Region Darfur bilden.Die Nuba KriseZur gleichen Zeit schwor Sudans Präsident Omar al-Bashir, die Nuba Berge von Christen zu befreien und sich der „Agenten des Westens“ zu entledigen. Omar al Bashir ist vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Darfur.
Am 20. April befahl er dem Sudanesischen Militär, jeden in den Nuba Bergen, die in der Region Süd-Kordofan liegen, loszuwerden, der seiner islamischen Herrschaft widersteht. In den letzten Wochen hat er wiederholt den Jihad gegen die ethnischen Nuba ausgerufen, von denen viele Christen sind.
Den Jihad hat die Regierung nicht nur gegen die Christen in den Nuba Bergen ausgerufen, sondern auch gegen die Christen in der Region ‚Blue Nile‘ und im Süd-Sudan. Das staatliche Fernsehen spielt Lieder, in denen Moslems aufgefordert werden „die Ungläubigen zu bekämpfen” und dort, wo diese präsent sind, das “Land zu reinigen”. Dies verursacht zunehmend Ängste unter den ethnischen Südsudanesen, die im feindseligen Norden gefangen sind.
Humanitäre Organisationen werten die Strategie der islamischen Regierung, missliebige Zivilisten in den Nuba Bergen zu beseitigen, als “ethnische Säuberung “ gegen nicht-arabische Menschen in dieser multi-ethnischen Region, mit dem zusätzlichen Anreiz, Christen in der Gegend loszuwerden.
Als der militärische Konflikt zwischen dem Sudan und dem Südsudan im letzten Monat eskalierte, schwor Bashir außerdem, den Südsudan von den “Insekten” zu befreien, wie er es nannte.
“Wir wollen nicht zusehen, wie diese Insekten unser reines Land unrein machen” sagte er unter Jubelrufen in Port Sudan in einer Rede am 20. April.
Die feindseligen Reden Bashirs und anderer sudanesischer Offizieller sollen dazu dienen, Moslems im Ausland zu mobilisieren, Militäroperationen in Süd-Kordofan und in der Region “Blue Nile” zu finanzieren, geben Quellen an. Muslimische religiöse Leiter im Sudan, denen nachgesagt wird, mit salafistischen Hardlinern in Verbindung zu stehen, beteuern, dass es nach der Trennung des Südsudan vom Sudan am 9.Juli 2011 keinen Platz mehr für Kirchen und Christen gebe.
Die sudanesische Luftwaffe bombardierte am 28. März ein Gebäude der Sudanesischen “Church of Christ” in der Gegend von al Buram in Süd-Kordofan. Dies berichteten Augenzeugen gegenüber Compass in einem Telefonat. Berichtet wurde weiter, dass das Leben für Christen in Süd-Kordofan schwieriger geworden sei, da die Regierung arabische Volksgruppen mobilisiert und sie mit Waffen ausrüstet um die ethnischen Nuba zu töten.
Quelle: Compass Direct
http://www.compassdirect.org/english/country/sudan/article_1537735.html